HORNS (2015)

Schwarzer Humor, kleine Morde & die große Liebe

Die Freundin wird nach einem heftigen Streit ermordet, man selbst steht vor der Anklagebank und dann wachsen einem auch noch riesige Hörner: Daniel Radcliffe hat mal wieder eine Rolle mit einer gehörigen Prise Selbstironie und einer ordentlichen Portion Surrealismus für sich gefunden. In HORNS erhält er teuflische Macht, schreitet völlig degeneriert durch eine Kleinstadt, die ihn hasst und ist auf der Suche nach dem Mörder seiner großen Liebe.

INHALT:

Die Welt meint es wirklich nicht gut mit Ig Perrish (Daniel Radcliffe). Dabei lag doch eine wundervolle Zukunft vor ihm. Seit seiner Kindheit war er mit Merrin Williams befreundet. Irgendwann wurde aus Freundschaft Liebe; die erste und einzige Liebe. Es passte alles, das Leben schien vollkommen und beide waren glücklich.

Doch dann kam dieser eine Abend, an dem alles anders wurde und der Traum von einem gemeinsamen Leben zerbrach: Ig erwacht verkatert und kann sich an nichts mehr erinnern. Merrin (Juno Temple) wird an ihrem gemeinsamen Zufluchtsort im Wald tot und erschlagen aufgefunden. Die Kleinstadt kennt nur einen Verdächtigen und so wird Ig zum Geächteten. Er versinkt in Selbstmitleid und eignet sich einen fiesen Zynismus an. Alles ist ihm egal und sein Glaube an das Gute war nie so gering wie derzeit. Ig schwört von Gott ab.

Einen Tag später passiert Unfassbares: Ihm wachsen kleine Hörnchen aus der Kopfdecke, über die sich auch keiner in der Stadt groß zu wundern scheint. Stattdessen ist er plötzlich in der Lage den Menschen ihre dunkle Seite zu entlocken. Gabe oder Alptraum? Ig ist sich dessen noch nicht sicher und kann sich dieser Frage auch noch nicht wirklich stellen, denn er ist auf der Suche nach der Wahrheit über den Tod seiner Freundin – und die ist sogar noch viel schlimmer als er dachte…

FAZIT:

Romantischer Pathos meets Mystery-Krimi-Satire: So richtig einordnen lässt sich dieser Film nicht, aber wahrscheinlich macht genau dieser Genre-Mix die Würze des Films aus, der ansonsten mit einer eher bekannten und gradlinigen Story aufwartet. Diese wurde aber durch den nicht gerade unwichtigen, ja geradezu raffinierten Umstand erweitert, dass die Hauptfigur um ein paar stattliche Hörner erweitert wurde. Das erinnert alles ein bisschen an THE CROW, wirkt jedoch weniger düster als vielmehr abgewrackt und selbstironisch. Genau die richtige Mischung für den ehemaligen HARRY POTTER-Darsteller, der schon in DIE FRAU IN SCHWARZ und A YOUNG DOCTOR’S NOTEBOOK gezeigt hat, dass Tragik und Komik herrlich zusammenpassen, wenn Radcliffe vor der Kamera steht.

HORNS ist im eigentlichen Sinne ein Mystery-Drama, in dem zwar Humor verpackt ist, den Film jedoch nicht überwiegt. Die Tragik wird begleitet von einem bitteren Zynismus. Radcliffe spielt sehr überzeugend einen gebrochenen Menschen, der mit der Welt abgeschlossen hat. Er begibt sich auf einen unkonventionellen Rachefeldzug, der anfangs eher still und gegen Ende recht blutig daher kommt. HORNS zeigt dabei eine Bandbreite an Facetten, die nur wenige Filme sinnvoll miteinander zu verbinden wissen und überzeugt durch eine Figurenentwicklung des Hauptcharakters. Während am Anfang ein Mann steht, der dem Alkohol verfallen in den Tag hineinlebt wächst aus ihm ein Anti-Held heran, dessen Antrieb die vollkommene Liebe ist. Die Schwere dieses von Pathos durchzogenen Motivs wird durch schwarzen Humor abgemildert, ohne jedoch völlig determiniert zu werden. Dieses Spiel der Nuancen zwischen lustig und tragisch, zwischen gemein und gut und zwischen schön und hässlich machen den Film zu etwas Außergewöhnlichem, zu etwas Sehenswertes und zu einer großen, kleinen Überraschung im Kinojahr 2015.

Untermalt wird der unkonventionelle Film mit der recht stringenten Handlung mit den seltsamen Motiven durch eine Bildkomposition, die einerseits sehr malerisch und romantisch, andererseits zu dreckig, um wirklich real zu sein, auftritt. HORNS als Kunstwerk im künstlerischen Sinne zu bezeichnen, wäre wahrscheinlich zu viel. Aber dieser kleine Film, der sich durch seine ungewöhnliche Art an den Kinobesuchern nahezu vorbei-gespielt hat, ist wohl durchdacht, witzig, intelligent geschrieben und eine echte Mystery-Thriller-Tragkomödie – und ein echter Geheimtipp für Fans makabrer, surrealer Filme. Für euch gilt daher: kaufen, anschauen, weinen, lachen, wieder weinen und sich in den Film verlieben.

Seit dem 17.12.2015 ist HORNS auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Universal Pictures Germany 2015

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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