EL CLAN (2016)

Unspektakulärer Thriller aus Argentinien

INHALT:

Argentinien in den 1980er Jahren: Der Familienvater Arquímedes Puccio hat sein eigenes Familiengeschäft aufgebaut: Zusammen mit seinem Sohn Alejandro und wenigen Komplizen entführt er Personen aus reichen Familien, um das Lösegeld zu kassieren und die Geiseln anschließend doch umzubringen. Alejandro spielt dabei als erfolgreicher Rugby-Spieler zunächst den Lockvogel, der die Entführungsopfer in die Falle führt.

Die restlichen Familienmitglieder der Puccios nehmen die Tätigkeiten des Vaters hin, bringt ihnen das Geschäft doch viel Geld ein. Aber sie sprechen niemals über die Arbeit des Vaters, auch wenn die Gefangenen im eigenen Haus gehalten werden. Nur Alejandro kommen irgendwann Zweifel. Doch es braucht viel Mut, um gegen seinen Vater aufzustehen.

FAZIT:

Entführung, Verbrechen, Korruption, die tiefen Abgründe der menschlichen Seele, das Böse inmitten einer nach außen scheinbar guten Familie – all das sind Komponenten der Geschichte von EL CLAN, aus denen man einen düsteren Thriller, wenn nicht sogar einen Film Noir hätte machen können. Aber Regisseur Pablo Trapero geht in seinem Film einen anderen Weg. Er setzt nicht, wie man annehmen könnte, auf Spannung oder Suspense.

Anstatt sich auf die Brutalität und die Sensationsmomente der Entführungen zu konzentrieren, bettet Trapero sie ganz normal in den Alltag der Protagonisten ein. Mit seinen filmischen Mitteln entwickelt er eine irritierende Absurdität der ganzen Situationen, die oft etwas von einer makabren, schwarzen Komödie haben. So unterlegt Trapero beispielsweise die Entführungsszenen mit guter-Laune Pop-Musik. Oder er schneidet eine Sexszene parallel mit einer Folterszene – die orgastischen Schreie der Frau gehen dabei in die Angst- und Schmerzschreie des Folteropfers über. An anderer Stelle geht der Vater durch das Haus zum Kinderzimmer, wo er mit seiner Tochter spricht, um dann in auffallend ähnlicher Weise zum Nebenraum zu gehen, in dem die ängstliche Geisel hockt. Die Entführungen gehören hier zum Alltagsleben im Haus dazu.

Durch diese spezielle, ruhige Art, von den Entführungen zu erzählen, und durch die Nebensächlichkeit, mit der das Ganze erzählt wird, entsteht eine klare Distanz zum Film und zu den Protagonisten, da es keine, im klassischen Sinne, „realistische“ Erzählweise ist. Das hat zwischenzeitlich durchaus unterhaltungswert, erweist sich aber als fatal, sobald es in EL CLAN zu wirklich ernst gemeinten Szenen kommt. Sie wirken dann nämlich nicht mehr auf den Zuschauer, da er sich mittlerweile diese Distanz zum Film gezwungenermaßen angeeignet hat. Die ernsten Szenen werden plötzlich unfreiwillig komisch, da sie nicht zur restlichen Erzählweise passen mögen.

So ist EL CLAN, anstatt ein spannender Entführungsthriller über die Abgründe einer bürgerlichen Familie zu sein, ein eher langweiliger, streckenweise langatmiger (allein die Einleitung, in der die Arbeitsweise der Puccio-Familie eingeführt wird, dauert 20 Minuten) und unspektakulärer Film.

EL CLAN ist ab dem 15.07.2016 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich. In den Extras findet man neben dem Trailer zusätzlich ein Making Of.

von Benjamin Wirtz

Bewertung:

 

Quelle: Pressematerial Prokino 2016

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Benjamin Wirtz

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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