DOCTOR STRANGE (2016)

Witzig, fantastisch, zauberhaft

Marvels DOCTOR STRANGE ist seit kurzem fürs Heimkino erhältlich. Der Mantel flattert, die Hände kreisen funkelnde Strahlen in die Luft und das Böse sollte sich schnell mit einem Verschwindekoffer in dunstigen Rauch auflösen. Denn Benedict Cumberbatch betritt das MCU und liefert auf seine Art ab.

INHALT:

Der angesehene und eingebildete Chirug Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) verliert nach einem Autounfall die Fähigkeit zu operieren, da beide Hände schwer verletzt werden. Nach Monaten der Therapie schlagen alle Heilungsversuche fehl und er verliert die Hoffnung. Dann erfährt er von einer mentalen Therapie in einem Ordenskloster in Kathmandu, die ihm sein Zittern aus den Händen nehmen könnte.

Was ihn jedoch erwartet, ist etwas anderes, als er sich jemals hätte erdenken können: Er erlernt die Gabe der Veränderung, die Gabe der Magie und beweist sich darin, nach anfänglichen Schwierigkeiten, als sehr talentiert. Die Älteste (Tilda Swinton) dieses Mönchsordens kann auch jede Hilfe gebrauchen. Denn der abtrünnige Kaecilius (Mads Mikkelson) möchte ein mächtiges wie bösartiges Wesen aus einer anderen Dimension befreien…

FAZIT:

Auf DOCTOR STRANGE ist Tobias bereits ausgiebig in seiner Rezension eingegangen. Ich stimme ihm in weiten Teilen zu, möchte auf einige Punkte aber nochmal in meinen Worten eingehen:

DOCTOR STRANGE öffnet im MCU die Pforten zu anderen Dimension. Damit ist der Mindfuck komplett. Denn Wände, Räume ja ganze Städte werden zum verzerrten Spielball magischer Kräfte. DOCTOR STRANGE ist damit tatsächlich in einer gewissen Weise das INCEPTION von Marvel. Entsprechend bildgewaltig kommt der Film daher. Vielmehr noch wirkt der gesamte Film wie ein Experiment, eine Feldforschung für einen anderen Stil. So ist das Setting geprägt von fernöstlichen, antiken Requisiten und esoterischen Motiven.

Die Verbindung zu den anderen Marvel-Filmen ist, ähnlich wie bei ANT-MAN, nur beiläufig, ja sogar sehr versteckt. DOCTOR STRANGE führt tatsächlich seinen eigenen Kampf, und dass auf eine ganz anderen Ebene. Diese Distanz zu den anderen Helden erlaubt es, neue Wege einzugehen. So ist es in diesem Fall nicht der Fortschritt, der die Gefahr birgt, sondern Jahrtausende altes, mythischen Wissen. Und das kann nur durch eine ebenso alte Verteidigung, die Kunst der Magie, bekämpft werden. So macht Strange seinem Namen (übersetzt: „seltsam“; „ungewöhnlich“) alle Ehre.

Denn so einfallslos, wie die Story selbst ist – ein böser Bube möchte einen noch böseren Buben beschwören, um die Welt zu unterjochen – so einfallsreich und kreativ wurde der Film umgesetzt. Blockbuster-typischen setzte man dafür auf große Effekte, aber in einem verhältnismäßig kleinen Rahmen. Die eingeführte multidimensionale Ebene eröffnet im übrigen eine ganze Bandbreite neuer Möglichkeiten des Erzählens, könnte das MCU aber auf lange sich jedoch auch zu sehr verkopfen und verkomplizieren. Und doch bringen die neuen Ansätze (Magie & Dimensionen) erneut neuen Wind in die gesamte Reihe.

Vor allem aber gefällt die Besetzung: Benedict Cumberbatch als eingebildeter Arzt, der durch Unachtsamkeit ein schweres Schicksal erleidet und dadurch wiederum eine neue Bestimmung als Held findet, funktioniert sehr gut. Seine Figur erfährt relativ schnell eine Läuterung, so dass sich in kurzer Zeit Sympathie für diese entwickelt. Schelmisch-zynische Seitenhiebe und Kommentare bewirken hierbei ihr übriges, um den neuen Helden in das MCU mit positiven Gefühlen einzuführen.

Dagegen wirkt Tilda Swinton beinahe lakonisch. Ihre Figur, die schlicht „die Älteste“ genannt wird, ist eine in sich ruhende, souveräne Meisterin ihres Faches. Als mächtigste Zauberin und Beschützerin der Erde lebte sie stets im Verborgenen. Doch ebenso verborgen ist auch der wahre Ursprung ihrer Macht. Swinton spielt die Figur so souverän, wie die Rolle selbst angelegt wurde und verleiht dieser eine Raum-einnehmende Aura.

Präsent ist auch Mads Mikkelson, wenn er vor der Kamera steht. Als Gegenspieler von Cumberbatch spielt er die Figur unbeherrscht, gebrochen und destruktiv. Gleichzeitig aber auch übermächtig und beängstigend. Und doch hat auch in seiner Figur etwas Schelmisches, etwas Verspieltes. Die Lust der Zerstörung macht ihn zu einem bösartigen Schurken mit Profil – das unterscheidet ihn von den eher farblosen Schurken anderer Filme des MCUs.

DOCTOR STRANGE ist brillant besetzt, hält optisch den einen oder anderen Mindfuck bereit und glänzt durch eine geradlinige, aber konsequente Handlung. Entstanden ist ein solider Blockbuster ohne Fehler, der insgesamt sehenswert ist und für Neulinge ein guter Einstieg in die Marvel-Filme sein kann.

Bild & Ton:
Das Bild kommt selbst auf einem HD Ready Fernseher in scharfen 1080p High Definition 2,39:1 / 16:9 daher. Beim Ton gibt es naturgemäß wieder kleine Abstriche für Heimkino-Profis. So liegt die englische Tonspur in DTS-HD MA 7.1 vor, während man sich in der hiesigen Sprache nur mit DTS-HD HR 5.1 begnügen muss. Bei den Untertiteln hat man darüber hinaus Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Italienisch und Griechisch zur Auswahl.

Extras:
Den größten Anteil der Extras nehmen die Featurettes ein. Diese erlauben uns eine tieferen Blick in die multidimensionale Welt des Doctor Strange, erzählen etwas über die aufwändigen Kostüme, die Stunts und den Soundtrack. Obendrauf auf diesen umfangreichen Hintergrundpaket zum Film kommen zusätzliche Szenen. Abgerundet werden die Extras mit einem Video zu den kommenden Projekten der „Phase 3“ und einem wirklich lustigen Video zu Donnergott Thor, der jetzt in einer WG lebt:

Leider muss man bei den Extras ehrlich sein: Alle Videos stehen auch so online zur freien Verfügung, so dass diese einen Kauf der Blu-Ray nicht rechtfertigen. Fans der Marvel-Reihe werden den Film jedoch ohnehin kaufen, um die Sammlung zu vervollständigen.

DOCTOR STRANGE von Scott Derrickson ist seit dem 02.03.2017 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Disney/ Marvel 2017

© Disney

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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