DIE ROTE SCHILDKRÖTE (2017)

Wortlos gestrandete Poesie

DIE ROTE SCHILDKRÖTE von Michael Dudok de Wit ist die neuste Produktion der berühmten japanischen Filmschmiede Studio Ghibli. Darin landet ein Mann in einem verträumten Inselparadies, aus dem er nicht mehr wegkommt. Er findet sich mit seinem Leben auf diesem begrenzten Raum ab und freundet sich gar mit den Bewohnern dieses magischen Ortes an.

INHALT:

Ein Mann gerät in Seenot und wird an den Strand einer einsamen Insel mitten im Ozean gespült. Er erwachtet leicht desorientiert, fokussiert sich jedoch gleich auf seine neuen Aufgaben: Voller Lebensdrang baut er aus alten Baumstämmen ein seetüchtiges Floß. Doch kaum hat er die ruhige Bucht der Insel verlassen, wird seine Konstruktion von einem unbekannten Seewesen zerstört. Erneut rettet er sich an Land und baut sogleich ein neues Floß. Doch auch dieses erleidet das selbe Schicksal. Es stellt sich heraus, dass eine große rote Schildkröte sein entkommen von der Insel verhindert. Und diese ist mehr als man zunächst vermuten möchte…

FAZIT:

Der Animationsfilm DIE ROTE SCHILDKRÖTE ist eine poetische Parabel auf das Leben. In durchweg schönen Bildern aus warmen Rottönen und einem stets türkisfarbenen Meer wird die Geschichte eines Manner erzählt, der aus seinem Leben gerissen wird und ein neues fern ab der Sorgen unseres Alltags findet.

Dabei erfahren wir nicht, wer der Mann ist oder wie er heißt. Wir wissen auch nicht, woher er stammt. Außer einem „Hey!“ findet obendrein kein Dialog statt. Vielmehr sprechen die Bilder des Films für sich. Gezeigt wird eine paradiesische Insel. Aber eben auch ein Ort, der sehr einsam und doch voller Leben ist. Doch auch hier lauern Gefahren, denen sich der Mann stellen muss. Relativ am Anfang fällt er beispielsweise in ein Loch, aus dem er nur durch tauchen entkommen kann. Die Szene ist stellenweise klaustrophobisch – man neigt als Zuschauer, selbst den Atem anzuhalten.

In weiten Teilen des Films gibt es jedoch keine Gefahren – nur ein Leben auf einer Insel fern ab der Zivilisation. Und dieses Leben könnte einsam sein. Doch es gibt einen magischen Twist, der so verträumt wie romantisch ist und perfekt zu den Bildern und der Atmosphäre passt: Denn DIE ROTE SCHILDKRÖTE hat eine magische Komponente und wird dadurch zu einem Märchen, indem der Prinz, seine Prinzessin findet. Denn der Mann bleibt nicht alleine. Er findet seine Frau und gründet gar eine Familie. Diese baut sich ihren eigenen Mikrokosmos auf, der so unschuldig und rein, wie das Meerwasser ist, das die Familie umgibt. All seine Fluchtversuche vom Anfang werden dadurch aufgegeben und er fügt sich in sein Schicksal und widmet sich einer ganz neuen Rollen: Die des Vaters.

Eine heile Familienwelt entsteht. Doch dieses zeigt auch Schatten. Denn es gibt immer wieder Momente der Sehnsucht: So würde der Mann seinem Kind gerne mehr von der Welt zeigen, erzählt ihm gar mit Sandbildern von der Tierwelt anderer Orte. Kein Wunder, dass dieser pflüge wird und sein Glück sucht.

Sie spiegelt aber auch die dichte wie wunderschöne Atmosphäre wieder, die die Zeichner mit ihrem gekonnten Strichen und Animationen aufbauen. In kompakten 74 Minuten umfasst DIE ROTE SCHILDKRÖTE ein ganzes, einfaches Leben auf einer Insel. Hier ist keine Minute zu viel oder zu wenig.

DIE ROTE SCHILDKRÖTE ging dieses Jahr ins Rennen um den Oscar in der Kategorie „Bester Animationsfilm“. Den goldenen Junge hätte der Film verdient. Seit dem 27. Juli 2017 ist der Animationsfilm auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Universum Film 2017

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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