DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER (2016)

Burton-Märchen über kleine Helden

DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER ist das neuste Fantasy-Märchen von Regisseur Tim Burton. Im Zeiten des Superhelden-Hypes interpretiert der Regisseur den Trend und zaubert ein fantastische Märchen auf die Leinwand, in dem sich „besondere Kinder“ mit einzigartigen Fähigkeiten vor bösen Monstern verstecken. Ein typischer Grusel-Burton mit Star-Besetzung, der solide verzückt.

INHALT:

Sein Großvater Abe (Terence Stamp) war schon immer etwas sonderbar, aber welches Geheimnis er wirklich jahrelang mit sich herumträgt, erfährt Jake (Asa Buterfield) erst, als Abe bei einem mysteriösen Einbruch ums Leben kommt. Mit seinen letzten Worten bittet er Jake eine Insel mit besonderen Kindern in einem Kinderheim zu besuchen. Es ist jenes Kinderheim, in dem einst auch sein Großvater aufwuchs.

Jake reißt mit seinem Vater auf die Insel – aus rein therapeutischen Maßnahmen, um zu beweisen, das die Märchen von Großvater Abe nicht wahr sind. Doch es stellt sich heraus, dass dieser nicht gelogen hat und die besonderen Kinder in einer Zeitschleife am 03. September 1943 gefangen sind. Jedoch nur aus eigenem Schutz heraus. Denn böse Besondere suchen die Zeitschleifen und töten die Kinder. Barron (Samuel L. Jackson) ist der Anführer dieser Gruppe und nur Jake kann die Waisenkinder beschützen…

FAZIT:

DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER ist für Tim Burton (VINCENT/ FRANKENWEENIE/ BIG EYES) ein Stück weit eine Rückkehr zu dem, was ihn einst berühmt gemacht hat: Das Mythische, das Makabre, das Gruselige – und das auch immer mit einer Prise Ironie und schwarzen Humor gewürzt. Dass dabei, wie in fast jeden seiner Filme, die Liebe nicht fehlen darf, ist auch nicht verwunderlich. Der Film basiert auf einer Romanreihe von Ransom Riggs.

In DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER wird eine mystische Welt aufgebaut, die an HARRY POTTER erinnert. In ihr existieren wundersame Wesen mit besonderen Fähigkeiten, die im geheimen, abgeschottet von der Gesellschaft leben. Der Film lässt sich Zeit, diese Wahrheit zu offenbaren und setzt dabei auf einen schaurigen Prolog mit einer düsteren Atmosphäre, der mit einem Mord endet. Die eigentlich Story beginnt erst auf der Insel: Ein kleines, verschlafendes Küstenstädtchen wird zum Austragungsort eines geheimen Krieges zwischen Erwachsenen und Kindern. Peter Pan lässt grüßen, doch mit Piraten hat der Film nichts gemein. Vielmehr herrscht ein Ungleichgewicht zu Gunsten des bösen Seite.

Mit fortlaufender Handlung entwickelt sich eine aufbrausende Verfolgungsjagd, an dessen Ende ein effektreicher Kampf steht. Spätestens hier zeigt sich das Potential der besonderen Fähigkeiten in ihrem vollen Ausmaß und DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER fühlt sich tatsächlich wie ein Superheldenfilm an. Das war aber natürlich nicht die Hauptintention von Burton, dem offensichtlich mehr daran gelegen war, eine in sich geschlossene und logische Welt zu konstruieren, die durchaus großen Franchise dieser Art auf Augenhöhe begegnen kann.

Der Stil der 1940er Jahre trägt hervorragend zum der Atmosphäre bei, die eine herrlich morbid-gruselige Abwechslung bietet. Ihr verknüpft Burton seinen eigenen Faible für den Expressionistischen Film mit Elementen des Steampunks, wie wir es schon aus DIE LIGA DER AUßERGEWÖHNLICHEN GENTLEMEN (2003), VAN HELSING (2004) oder PENNY DREADFUL (2014-2016) kennen.

Die Figuren sind geheimnisvoll, interessant und leider viel zu viele. Tatsächlich bleiben vor allem die Kinder auf der Strecke. Gerne hätte man mehr über ihre Vergangenheit erfahren. Aber ihre Geschichte, ihr Schicksal steht nicht im Fokus. Hier hätte man sich ein wenig mehr Fleisch gewünscht, das die Empathiesäcke für die Kids hätte füllen können. Aber da es ja Kinder sind, liegt der Sympathie des Zuschauers scheinbar automatisch bei eben diesen, wer brauch da schon eine Vorgeschichte. Immerhin bekommen sie alle aber ihre Momente, in denen sie ihre Fähigkeiten präsentieren können und die sind wirklich sehr ungewöhnlich.

Andere Figuren, allen voran Jakes Vater, wirken überzeichnet und unausgeglichen oder dürfen ein Dasein als Randnotiz fristen. Im Zentrum stehen vielmehr Asa Buterfield als Jake, sowie die beiden Hollywoodstars: Eva Green (300: RISE OF AN EMPIRE; 2014) macht sich als dominate aber liebenswerte Heimleiterin prächtig. Stets mit Pfeife im Mund karikiert und verknüpft sie gleich zwei charakterliche Gegensätze. So ist sie konservativ steif und doch lasterhaft locker. Ihr gegenüber steht Samuel L. Jackson als wahnsinniger, durchtriebener Oberschurke. Ein Part, der ihm liegt, ist doch fast jede seiner Rollen in einer gewissen Weise so angelegt (siehe unter anderen CODENAME U.N.C.L.E. oder THE HATEFUL EIGHT). Man mag es im Übrigen kaum glauben, aber für Burton und Jackson war es die erste Zusammenarbeit.

Leider ist das größte Manko des Films seine verquere Zeitreiselogik: So verbringt Jake einen ganzen Tag und sogar eine Nacht in der Zeitschleife. Wenn die Zeit außerhalb dessen aber normal weitergeht, dann müsste er auch in seiner Zeit über Nacht weg gewesen sein. Dass hätte auch sein Vater bemerkt. Statt dessen verlässt er einfach die Zeitschleife und es ist scheinbar der Abend des vorherigen Tages, an dem er in die Zeitschleife geriet. Obwohl eigentlich der nächste morgen angebrochen sein müsste. Noch deutlicher wird dies bei der anzunehmend langen Bootsreise gegen Ende des Films, die zur eingeführten Regel über die Zeit überhaupt nicht mehr passt. Und wo wie gerade dabei sind: Warum ist die Zeitschleife auf dem Jahrmarkt eigentlich noch Tage später aktiv, wenn keiner mehr dort war, der sie jeden Abend wieder einrichtet? Immerhin hat sich schließlich die Schleife im Waisenheim ausgelöst als Miss Peregrine diese nicht zurückstellen konnte, weswegen die Kinder überhaupt erst eine neue Zeitschleife suchen. Man merkt, hier ist nicht nur etwas nicht klar, sondern es ist doch sehr unlogisch.

Einige „überraschende Wendungen“ sind obendrein doch vorhersehbare Blaupausen aus dem Handbuch zum Drehbuch schreiben. Denn trotz der verschiedenen Zeitebenen, verläuft der Film fast linear: Junge entdeckt Geheimnis. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt ist die Gefahr am größten. Das Gute muss sich gegen das Böse behaupten. Dazwischen werden offensichtlich Täuschungen der Schurken und Liebeleien zwischen den Helden angedeutet.

Das Ende von DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER ist dann fast schon wieder etwas zu schnulzig, passt aber auch zum romantischen angehauchtem Setting. Es lässt jedoch auch genügend Spielraum, um die Geschichte weiterzuspinnen. Und tatsächlich handelt es sich hierbei schließlich auch nur um die Verfilmung des ersten Teils. Man darf also gespannt sein, ob wir bald wieder in die Welt der Besonderen Kinder zurückkehren.

DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER ist seit dem 09.02.2017 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

 

Quelle: Pressematerial 20th Centruy Fox Home Entertainment 2017

Produkte von Amazon.de

Jörg Gottschling

Jörg Gottschling

Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
Jörg Gottschling

Letzte Artikel von Jörg Gottschling (Alle anzeigen)

Comments

comments

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: