DIE GLORREICHEN SIEBEN (2016)

Altruistische Helden in einer rauen Welt

DIE GLORREICHEN SIEBEN – Ein Remake zum gleichnamigen Film aus dem Jahre 1960, nach dem zunächst keiner gerufen hat, das aber, wie so häufig, trotzdem kam und dann, wie sonst eher selten, doch überraschend besser ist als gedacht. Mit einer simplen Story und einer Menge Patronen im Gepäck, veranstalten die glorreichen Cowboys ein unterhaltsames Actionfeuerwerk mit ein wenig Witz und einer Prise ruhmvolles Ehrgefühl.

INHALT:

Ein Dorf ist in Not: Rose Creek wird terrorisiert von dem skrupellosen Geschäftsmann Bartholomew Bouge (Peter Sarsgaard), der die Siedler vertreiben und die örtlichen Goldverkommen schöpfen möchte. Die Bewohner wird mit aller Gewalt dazu gezwungen, zu sehr günstigen Konditionen ihr Land zu verkaufen. Doch sie lassen sich auf den Deal nicht ein und ein Exempel wird an ihnen statuiert. Ein halbes Dutzend Männer sterben. Bouge gibt den Siedlern drei Wochen Zeit, um auf das Angebot einzugehen.

Diese sind einfach Bauern und können sich gegen die Übermacht seiner schießwütigen Söldner nicht wehren. Und so sucht Siedlerin Emma Cullen (Haley Bennett) Hilfe. Der Afroamerikaner, ehemaligen Nordstaatensoldat und derzeitiger Kopfgeldjäger im Dienste der Regierung Chisolm (Denzel Washington) hat noch eine Rechnung mit Bouge offen und lässt sich auf den Deal ein.

Er versammelt mit dem Mexikaner Vasquez (Manuel Garcia-Rulfo), den Draufgänger Josh Faraday (Chris Pratt), dem Trapper Jack Horne (Vincent D’Onofrio), dem Indianer Red Harvest (Martin Sensmeier), dem Asiaten Billy Rocks (Byung-hun Lee) und seinem alten Südstaatenfreund und Scharfschützen Goodnight Robicheaux (Ethan Hawke) sechs weitere Haudegen, Einzelgänger und Outlaws hinter sich und stellt sich Bogues Armee entgegen.

FAZIT:

DIE GLORREICHEN SIEBEN von Antoine Fuqua ist ein Western der alten Schule, der nicht lange fackelt und durch de Qualm des Schießeisen bestimmt wird. Viel Story darf man nicht erwarten – gab auch schon die Vorlage nicht her. Umso interessanter ist es, auf die Figuren und das (Under-)Statement des Films zu schauen.

Die Figuren
Mit seinen guten zwei Stunden nimmt sich DIE GLORREICHEN SIEBEN viel Zeit, um die kleine Schar zusammenzustellen. Jeder einzelne Held wird nach und nach eingeführt, jedoch erhält im Laufe des Films noch lange nicht jeder Held auch die selbe Kamerazeit. Im Zentrum stehen vor allem drei Personen, die Stars um genau zu sein: Denzel Washington (2 GUNS; 2013/ THE EQUALIZER; 2014) als Anführer löst die Western-legende Yul Brynner ab und gibt der Rolle gar wortwörtlich eine eigene Farbe. Die Entscheidung, einen Afroamerikaner an die Spitze zu setzen, ist nicht nur aus heutiger Sicht eine gute Idee, sondern passt auch zum Konzept der glorreichen Sieben, die in einer Zeit der Ungleichheit und des gelebten Rassismus aus den unterschiedlichsten Schichten und Nationen kommen. Washington gibt der Rolle obendrein eine gewisse Würde, einem Stolz und eine Souveränität, die tatsächlich an die Übermacht des 60er Jahre Westernhelden erinnert.

Ihm zur Seite stehen Chris Pratt und Ethan Hawke. Während Chris Pratt (GUARDIANS OF THE GALAXY; 2014/ JURASSIC WORLD; 2015) auf den Spuren Steve McQueens wandelt, sich mutig ins Geschehen wirft und in jeglicher Weise für einen gesunden Humor sorgt, ist Ethan Hawke (BOYHOOD; 2013) der abgehalfterte Kriegsveteran, der mit sich und seinen Dämon kämpft. Beide überzeugen in ihren Rollen und vor allem Hawke wünscht man wieder mehr interessante Filmprojekte mit ihm als Hauptrolle abseits von den B-Thriller der letzten Jahre.

Die anderen Helden kommen eher zu kurz. Vor allem der Indianer, der Asiat und der Mexikaner bleiben eher farblos und dienen allzu oft einzig dazu, für einen neckischen Schlagabtausch als Kontrahenten der drei Hauptfiguren herzuhalten. Aus der Reihe fällt hingegen noch Vincent D’Onofrio als Trapper Jack Horne. Seine fiebrige deutsche Synchronstimme, sein Hang zu gottesfürchtigen Zitaten und sein Wahnsinn machen ihn wohl zu eine der schleierhaftesten, aber auch interessanten Figuren des Films.

Das (Under-)Standment
Einen wichtigen Punkte habe ich bereits angesprochen und schon damals in den 60ern sorgte er für Aufsehen: Die sieben Männer kommen alle aus verschiedenen Schichten und haben einen besonderen Werdegang, in dem sie sich ethnisch und kulturelle voneinander unterscheiden. Heute zwar längst nichts Besonderes mehr, aber dennoch ein richtiges und wichtiges Zeichnen, das gesetzt wird – immerhin finden derzeit in den USA wieder Rassenunruhen statt. Und wie manche Politiker zu den illegalen Einwanderern aus Mexiko stehen, muss ich wohl auch nicht weiter ausführen. DIE GLORREICHEN SIEBEN treffen damit also den Zeitgeist, leisten sich darin aber auch keine sonderliche Innovation.

Kommen wir zum Heldentum: DIE GLORREICHEN SIEBEN sind im Grunde alles Schurken auf ihre Weise. Und selbst wenn sie sich teilweise als rechtschaffen darstellen, so hat jeder von ihnen eine dunkle Seite, weswegen er zum Outlaw und Vagabund wurde. Selbst der Indianer gibt an, dass er aus seinem Stamm verstoßen wurde. Warum das so ist, bleibt offen? – es ist eine der wenigen Fakten, die wir von ihm überhaupt erfahren. In dieser Gemeinsamkeit finden sie zueinander, doch in ihrer guten Tat, beinahe selbstlos einem Dorf zu helfen, wachsen sie zusammen, werden gar zu Freunden.

Die Motiv wirkte schon damals und wirkt auch heute immer noch und das Statement ist klar: Jeder kann ein Held sein, wenn er nur will und bereit ist, die Konsequenzen des Heldentums zu tragen. Diese sind nämlich nicht immer rühmlich und können auch das eigene Leben fordern. Mit Pathos getränkt in einem Whiskyfass Humor zelebriert der Film eine Heldenmeute, die zwar ihre Pflicht tut, aber ansonsten frisst wie Schweine und säuft wie ein Schlot. Diese Laster bestätigen ihr Antihelden-Dasein und machen sie nahbar, fehlbar, authentisch und sympathisch.

Trotz all der Gewalt, der unaufhörlichen Schusssalven und den waghalsigen Figuren in einer derben Welt steckt tatsächlich mehr in DIE GLORREICHEN SIEBEN als nur eine kurzweiliger Actionfilm. Doch die Blockbuster-Zeilen sind eng und grob geschrieben und machen ein Lesen dazwischen schwer. Und so bleibt oberflächlich doch nur ein hochklassiges Western-Remake übrig. Dieses vermag zu unterhalten, besser als das Original ist es jedoch nicht.

DIE GLORREICHEN SIEBEN läuft seit dem 22.09.2016 in den deutschen Kinos.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Sony Pictures 2016

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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