DER JUNGE MESSIAS (2016)

Das Prequel zur Passion

Die Autorin Anne Rice (INTERVIEW MIT EINEM VAMPIR, DER FÜRST DER FINSTERNIS) gilt als Mutter aller Vampir- Bücher. Mit der ursprünglich als Trilogie geplanten Buchreihe „Jesus Christus. Rückkehr ins heilige Land“ wandte sie sich 2005 einem anderen Stoff zu, der nun vom iranisch-stämmigen Regisseur Cyrus Nowrasteh (THE STONING OF SORAYA M.) aufwändig verfilmt wurde. Im Kino erschien DER JUNGE MESSIAS an Pfingsten 2016 und landet nun auch auf DVD und BLU-RAY in unseren Regalen. Wir haben uns das Werk näher angeschaut.

INHALT:

Der siebenjährige Jesus (Adam Greaves- Neal; SHERLOCK) lebt mit seinen Eltern Maria (Sara Lazzaro; ZEHN WINTER) und Josef (Vincent Walsh; 300: RISE OF AN EMPIRE) in Alexandria, wohin die Familie kurz nach der Geburt des Knaben vor König Herodes geflüchtet ist. Schon früh fallen seine außergewöhnlichen Fähigkeiten auf – er ist zwar nur ein kleiner Junge, doch es reicht ein Wort von ihm, um seine Gegner niederzustrecken oder eine Berührung, um einen Menschen zu heilen.

Immer wieder gerät Jesus aufgrund seiner Begabung in Schwierigkeiten, seinen Eltern ist es ein Herzensanliegen, die Unbeschwertheit ihres geliebten Kindes zu bewahren und es so lange wie möglich vor Anfeindungen und den Bedrohungen der Welt zu schützen. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, dem aufgeweckten und neugierigen Jungen zu erklären, wer er ist und welche Lebensaufgabe ihn erwarten wird? Erschwerend kommt hinzu, dass der römische Zenturio Severus (Sean Bean; GAME OF THRONES/ DER HERR DER RINGE) auf Geheiß des neuen Königs Herodes Antipas (Jonathan Bailey; TESTAMENT OF YOUTH) Jagd auf Jesus macht.

FAZIT:

Filme über Jesus Christus erscheinen mittlerweile in regelmäßigen Abständen im Kino. Dabei beschränken sich alle bisherigen Werke auf den Leidensweg des Messias und somit auf die allseits bekannten Geschichten. Anne Rice, die für ihre Fantasy-Werke bekannt ist, fand durch den Tod ihrer Tochter zum katholischen Glauben zurück und widmete sich einer Bibel-Geschichte, die es so noch nicht gab. So erzählt sie einen fiktiven Stoff, denn über die Kindheit Jesu ist kaum bis wenig bekannt. Ursprünglich als Trilogie geplant, veröffentlichte Rice allerdings nur zwei Bücher, da sie mittlerweile wieder vom Glauben abgefallen ist. DER JUNGE MESSIAS basiert daher auch nur auf den ersten beiden Bänden.

Heraus kommt ein sehr pathetisch inszenierter Streifen, der Wert auf Zeitlupe und Glanz legt, dabei aber einen sehr naiven Eindruck beim Zuschauer hinterlässt. Zu offensichtlich sind die Szenen, in denen Jesus seine Heilkünste offenbart, zu offensichtlich die Reaktionen der Menschen in seinem Umfeld. Auf eine Heilung folgt permanent „Ein Wunder! Ein Wunder!“ oder „PREISET DEN HERREN!“, was das Ganze eher wie einen Harry Potter mit Heiligenschein aussehen lässt. Jesus findet hier viel früher zu seiner Erweckung, als es im Evangelium steht. Um so eine Neu-Interpretation zu wagen und Kritik hervorzurufen, bedarf es dann aber schon mehr.

Die Darsteller bleiben allesamt hinter ihren Fähigkeiten. Am ehesten sticht der bekannteste Star des Films, Sean Bean, hervor. Allerdings merkt man deutlich, dass auch Bean nicht vollends von der Verfilmung überzeugt ist. Hinzu kommt ein im Hintergrund auftretender Satan (Rory Keenan; PEAKY BLINDERS), der eher durch seinen sauber gestriegelten Bart auffällt, als dass er Jesus das Leben schwer macht. Adam Greaves-Neal als Jesus weiß bedingt zu überzeugen, es fällt deutlich auf, dass ein Kind gesucht wurde, das den Zuschauer durch seine Rehaugen begeistern soll.

Auf der anderen Seite begeistert DER JUNGE MESSIAS durch seine lupenreine Inszenierung und dem schön komponierten Soundtrack von John Debney, der schon Mel Gibsons DIE PASSION CHRISTI (2004) eindrucksvoll komponierte. Es sind deutliche Parallelen zu hören, die aber sehr gut zum Geschehen passen.

Einen Skandal, wie es Martins Scorseses DIE LETZTE VERSUCHUNG CHRISTI, der 1988 erschien, sich deutlich von den Evangelien distanzierte und Jesus als Zweifler darstellte, wird DER JUNGE MESSIAS auf keinen Fall auslösen. Dafür ist der Film zu sehr damit beschäftigt, den jungen Erlöser in permanentem Sonnenlicht zu zeigen und die Zuschauer durchgehend zu rühren. Der Film ist eindeutig dem Genre Familie zuzuordnen, was dann bei genauer Betrachtung der Produzenten dieses Werks (u.a. Chris Columbus, KEVIN ALLEIN ZU HAUS) nicht weiter wundert.

Extras:
Die DVD/BluRay ist mit einem Making-Of, Entfallenen Szenen, einem Audiokommentar des Regisseurs und einigen Trailern ausgestattet. Hier wäre wesentlich mehr drin gewesen, bietet doch gerade der Bibelfilm eine tolle Gelegenheit für Featurettes, die den Hintergrund der Produktion näher beleuchten könnten.

Bild & Ton:
Zum Test lag uns die DVD von DER JUNGE MESSIAS vor, die mit einem lupenreinen Bild im 2,40:1 Format überzeugt. Satte Farben und ein guter Kontrast fallen hier positiv auf. Der Sound in 5.1 steht dem in nichts nach, der Soundtrack und die Stimmen sind sehr ausgewogen abgemischt.

DER JUNGE MESSIAS ist ab dem 03.11.2016 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Salih Yayar

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Concorde Home Entertainment 2016

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Salih Yayar

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Hey, ich bin Salih, 28 Jahre alt, kinosüchtig und Serienfreund. Große Epen, Sci-Fi und Independent sind mein Ding - also eigentlich alles. Und wenn ich nicht gerade über Multimedia oder Politik diskutiere, versuche ich selber mal etwas auf die Leinwand zu zaubern. Meistens kläglich.
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