BLACK MASS (2015)

Verbrechen mit Halbglatze

Lass dich nicht mit den Teufel ein, denn du wirst ihn nur schwer wieder los. In BLACK MASS spielt Johnny Depp den gerissenen Bandenanführer Jimmy „Whitey“ Bulgur, der als „Partner“ des FBI’s alle an der Nase herumführt. Dabei ist er eigentlich nur ein kleiner Fisch, doch mit der Partnerschaft gelangt er ungebremst an Macht, die man ihm nur schwer wieder entziehen kann…

INHALT:

Boston in den frühen 1980ern: Kriminelle Banden kontrollieren ganze Stadtteile. Korruption und Bestechung sind das Fundement des Verbrechens und die italienische Mafia beherrscht sie alle. Jimmy Bulgur (Johnny Depp) ist einer der Wenigen, die noch autark seinen illegalen Geschäften nachgehen kann. South Boston, sein Heimatviertel, gehört ihm. Hier ist er fest verwurzelt, jeder kennt und fürchtet ihn.

Dem FBI ist die Mafia ein Dorn im Auge. Eine Sondereinheit, die von Agent John Connolly (Joel Edgerton) geleitet wird, sucht nach einem Weg, den Einfluss der kriminellen Organisation einzudämmen. Doch es fehlen ihnen unwiderlegbare Beweise, ja sogar konkrete Hinweise, auf die Machenschaften der Mafia. Deswegen holt Connolly sich den „kleinen Fisch“ Bulugur als Informant an Bord. Der ist jedoch für sein skurpelloses Vorgehen und seine Cleverness bekannt und sieht die Verbindung mehr als eine Partnerschaft – ohne dass das FBI es merkt, führt er sie auf falsche Fährten und stärkt seine Macht über die Grenzen von South Bosten hinaus…

FAZIT:

BLACK MASS von Regisseur Scott Cooper (CRAZY HEART; 2009) ist ein Thriller der alten Schule, der auf übermäßige Action verzichtet und dafür auf die dichte Atmosphäre eines zwielichtigen Hinterhof-Treffens setzt, indem in einem intelligenten, verbalen und Gestik-reichen Schlagabtausch Fronten geklärt und Partnerschaften geschlossen werden.

Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit und auf eine Geschichte über einen gerissenen Verbrecher, der für kurze Zeit Boston kontrollierte und danach für Jahrzehnte vom Erdboden verschwunden war. Erst 2011, fast durch eine Zufall und nach Jahren der Fahndung, tappte er ins Netz der Polizei und seine Geschichte wurde bekannt.

Dabei ist es eigentlich keine große Geschichte. Vielmehr handelt es sich bei BLACK MASS um eine Episode des Verbrechens, dessen Wirkungsgrad sich damals kaum über die Grenzen von Boston erstreckt hat und in weiten Teilen vom FBI notgedrungen verheimlicht wurde. Jimmy Bulgur war ein einflussreicher Mann, er war kein Pate oder gar Mafia-Oberhaupt, der mit einer schönen Villa, teuren Autos oder hochrangigen Freunden in der Politik (mal abgesehen von seinen Bruder) aufwarten konnte. Der Film hält sich an diese Vorlage und verzichtet auf überspitzte oder gar verklärte Darstellungen eines Gangsterbosses, wie man sie so häufig in Filme über John Dillinger oder Al Capone zu sehen bekommt. Und genau diese bodenständige, ehrliche Richtung macht den Film so authentisch – und auch so gut!

BLACK MASS kann auf ein erstklassiges Ensemble zurückgreifen. Über allem steht Johnny Depp (LONE RANGER; 2013/ INTO THE WOODS; 2014), der sich in diesem Film wiedermal in Höchstform zeigt. Zur Hässlichkeit maskiert und mit einem nicht gerade ansehnlichen Halbglatze auf dem Haupt verstrahlt seine Figur eine Präsenz, die fesselt und, wie man in den Extras erfährt, auch abseits der Kamera nur schwer wieder abgelegt werden konnte. Handelt es sich hier Method Acting oder tatsächliche Verwandlung? Vor der Kamera sehen wir jedenfalls einen Depp, wie wir ihn schätzen.

Joel Edgerton (ZERO DARK THIRTY; 2013/ EXODUS: GÖTTER UND KÖNIGE; 2014) spielt einen überzeugten, aber auch überforderten FBI-Agenten, der denkt, dass er alles im Griff hat, dem aber bereits am Anfang jegliche Kontrolle unter den Füßen weggezogen wird. Das ungleiche Spiel zwischen Edgerton und Depp überzeugt in weiten Teilen, hätte jedoch an einigen Ecken noch deutlich ausgemalt werden können.

In weiteren Rollen sehen wir Kevin Bacon (FOOTLOOSE; 1984/ R.I.P.D.; 2013) als FBI-Chef Charles McGuire. Bacons Figur personifiziert die skeptische Stimme des Verstandes. Er spielt sie auf eine akzentuiert aufbrausende Art und verleiht der Staatspolizei etwas Autoritäres und Organisiertes, während Edgertons Rolle eher instinktive Elemente aufweist. In gewisser Hinsicht bilden so auch McGuire und Connolly Gegensätze.

Einen weiteren Gegensatz finden wir in der Rolle von Benedict Cumberbatch (SHERLOCK; seit 2010/ THE IMITATION GAME; 2015). Er spielt Bulgurs Bruder, der auf der rechten Seite des Gesetzes steht und als erfolgreicher Politiker sogar ein hohes Amt einnahm.

Extras:
Auf der DVD gibt es noch ein kleines Making-Of darüber, wie aus Johnny Depp Whitey Bulgur wird. Die Maske war hier ein wichtiger, optischer Ansatz. Darüber hinaus erfahren wir aber, dass sich Depp intensiv mit der realen Person auseinander gesetzt hat. Auf der Blu-Ray finden wir aus diesem Making of noch zwei weitere Dokumentationen über Whitey Bulgurs Verbrechen und die Jagd nach dem flüchtigen Verbrecher.

Johnny Depp kann Gangster; dass stellt er in BLACK MASS erneut unter Beweis. Die Geschichte steht im Vordergrund der Handlung und ist so dicht, dass sie fesselt. Auf übermäßige Action wurde verzichtet, wenngleich es an der ein oder anderen Stelle auch blutig werden kann. Die Dialoge bestimmen den Ton des zweistündigen Films, sie hätten jedoch noch etwas kerniger sein dürfen. Alles in allem ist BLACK MASS ein sehr gelungener Thriller geworden, der sich bemüht, die Wahrheit zu erzählen. Und das ist auch gut so, denn das Leben erzählt eben immer die besten Geschichten.

Der Boston-Thriller BLACK MASS ist seit dem 18.02.2015 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

 

Quelle: Pressematerial Warner Bros. Home Entertainment 2016

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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