KINDER DES ZORNS (1984)

Fürchte „Den, Der Hinter Den Reihen Wandelt“!

Zum Glück gab es in den 1980er Jahren noch keine Smartphones, sonst wäre die Geschichte von KINDER DES ZORNS ziemlich schnell zu Ende gewesen – nur ein Anruf hätte die Protagonisten aus ihrer Situation befreit. Dann wäre uns ein netter, kleiner Low-Budget-Gruselfilm entgangen: KINDER DES ZORNS weiß trotz kleiner Schwächen die Spannung auf einem guten Maß zu halten. Dabei hilft dem Film ein schön-schauriger Score, natürlich von einem Kinderchor gesungen.

INHALT:

Vor drei Jahren haben die Kinder des kleinen, religiösen Dorfes Gatlin an einem wunderschönen Sonntag alle Erwachsenen getötet. Seitdem huldigen sie „Dem, Der Hinter Den Reihen Wandelt“ – einem mysteriösen Gott in den Kornfeldern. Ihre Aufgabe ist es, alle Menschen über 19 Jahren zu töten, ebenso wie alle Ungläubigen, die den Ort erreichen.

Von alldem wissen der Arzt Burt (Peter Horton) und seine Frau Vicky (TERMINATOR-Star Linda Hamilton) nichts, als sie auf der Landstraße geradewegs auf Gatlin zufahren. Sie rasen zwischen den Maisfeldern entlang und versuchen, sich auf der Karte zu orientieren, als plötzlich ein Kind auf der Straße steht, das sie mit voller Geschwindigkeit überfahren. Nach dem ersten Schock besieht sich Burt den Leichnam des Jungen und stellt fest, dass ihm kurz zuvor die Kehle durchgeschnitten worden war.

Das Paar hofft, in Gatlin Hilfe holen zu können. Dort finden sie allerdings nur Kinder. Und die sind ganz und gar nicht friedlich gesinnt…

FAZIT:

Die Kurzgeschichte „Children of the Corn“ von Stephen King, die KINDER DES ZORNS als Vorlage diente, reicht eigentlich nicht für einen abendfüllenden Film. Daher wurden Figuren und Handlungsstränge hinzuerfunden, um eine Spielfilmlänge zu erreichen. Bei den zusätzlichen Handlungssträngen gelang das ganz passabel. Bei den Figuren aber weniger, denn plötzlich tauchen Personen auf, bei denen man sich fragt, wieso sie bis zu diesem Zeitpunkt überlebt haben – etwa der Tankwart, der vor den Toren von Gatlin sein Geschäft hat. Die Begründung, die im Film geliefert wird, (die Kinder seien auf seine Rohstoffe angewiesen) scheint eher eine billige Entschuldigung zu sein als eine glaubwürdige Erklärung.

Anders als bei Stephen King beginnt KINDER DES ZORNS mit der Auflösung. Das erweist sich gar nicht mal als schlechte Idee. So hat man den Überraschungseffekt, der bei King mitten in der Geschichte vorkommt, sofort am Anfang des Films als kleinen Schock – eine gute Einleitung in einen Horrorfilm. Viel wichtiger aber: Es wird im weiteren Verlauf des Films Suspense á la Hitchcock geschaffen, da der Zuschauer den beiden Protagonisten gegenüber einen Wissensvorsprung hat. Er wartet die ganze Zeit nur darauf, dass das Paar von den Kindern angefallen wird.

Die Dialoge, die für den Film gestreckt werden mussten, sind leider nicht immer geglückt. Dafür bieten sie oft Komik, wenn auch unfreiwillige. Beispielsweise wenn Vicky, kurz nachdem sie an einer Kreuzung rechts abgebogen sind, allen Ernstes sagt: „Wie konnten wir uns verfahren? Wir sind die ganze Zeit nur geradeaus gefahren.“ Oder wenn Burt als erfahrener Arzt Vickys Verletzung ansieht, draufdrückt und fragt: „Tut das weh?“ Und als sie vor Schmerzen aufschreit, sagt er trocken: „Es ist nur eine Beule“. An solchen Stellen muss man doch mal den Kopf schütteln, aber immerhin tut man es mit einem Lachen.

Der Schluss kommt ein bisschen plötzlich und übereilt – etwas zu hollywoodesk und ganz anders, als es Stephen King noch beabsichtigt hatte. So gelingt leider kein harmonischer Ausklang aus der Geschichte. Doch insgesamt dürfte KINDER DES ZORNS Horror- und Trash-Fans gut unterhalten.

Besonders erfreulich sind die vielen Extras auf der Blu-ray. Es gibt unter anderem zwei Audiokommentare, ein Making of, Trailer und unzählige Interviews (mit der Hauptdarstellerin, dem Drehbuchautoren, Produzenten, Produktionsdesigner und Komponisten), in denen dem Film zwar oft mehr Tiefsinn unterstellt wird, als er in Wirklichkeit hat, die aber allesamt sehr informativ und interessant sind.

KINDER DES ZORNS ist seit dem 27.12.2017 innerhalb der KINDER DES ZORNS-Box im Handel erhältlich.

von Benjamin Wirtz

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Alive – Vertrieb und Marketing

Benjamin Wirtz

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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