KICKS (2016)

„Fresh feet equals respect, man!“

In Justin Tippings KICKS tauchen wir als Zuschauer in eine Welt ein, die geprägt ist von Gewalt und Armut. Anerkannt und respektiert wirst du hier, wenn du Statussymbole besitzt. Der 15-jährige Brandon (Jahking Guillory) wächst genau in dieser Welt auf. Genau genommen in Richmond, Kalifornien. Aufgrund seiner kleinen Körpergröße und den armen Verhältnissen, aus denen er stammt, scheint er ein leichtes Opfer für Hänseleien zu sein. Als eine kriminelle Gang ihm dann seine neuen, heiß begehrten Sneakers abzieht, beschließt er sie sich zurückzuholen. Doch zu welchem Preis?

 

INHALT:

Der Teenager Brandon wird gehänselt, missachtet und nicht ernst genommen. Das liegt unter anderem daran, dass er im Vergleich zu den anderen ziemlich klein und dünn ist und dazu wegen Geldmangels abgenutzte Sportschuhe und alte Klamotten trägt. Als er sich eines Tages die teuren, beliebtesten Sneakers mit seinem ganzen Ersparten kauft, ändert sich das. Er erhält Komplimente und wird beachtet, sogar von einem Mädchen. Doch das Glück hält nicht lange an: Eine kriminelle Gang hat es auf seine neuen Schuhe abgesehen. Brandon wird gedemütigt, verprügelt und anschließend beklaut.

Der Teenager ist es leid, sich so behandeln zu lassen und fasst einen Entschluss, der einen langen Weg voller Trauer, Wut und Freude zur Folge hat: Er will sich seine Sportschuhe zurückholen.

Gemeinsam mit seinen zwei Freunden, dem Mädchenschwarm Rico (Christopher Meyer) und dem Träumer Albert (Christopher Jordan Wallace), stürzt er sich in ein Abenteuer, in dem alles anders kommt, als man denkt.

FAZIT:

Zugegeben, als Mahershala Ali-Fan war ich etwas enttäuscht, als ich realisierte, dass seine Rolle in dem Film als Brandons Onkel Marlon eine sehr kleine ist. Jedoch überzeugten die anderen Darsteller auf ganzer Linie und vor allem der gerade mal 17 Jahre alte Newcomer Jahking Guillory lieferte meiner Meinung nach eine schauspielerische Glanzleistung. Das alles wertete den Film und die im Prinzip einfache Story deutlich auf.

Der junge Regisseur Justin Tipping will den Zuschauern eine andere Realität in den USA, fernab von Glamour vorstellen. Und das gelingt ihm ausgesprochen gut. Interessant ist außerdem, dass die Realität in dem Film oft auf Brandons außerordentliche Vorstellungskraft trifft. In dieser kriegen wir einen Astronauten zu sehen, der aus dem Nichts auftaucht. Szenen wie die, in der der mysteriöse Astronaut Brandon seinen heiß geliebten Schuh reicht, welcher dann in der Schwerelosigkeit zu ihm rüber schwebt, lassen mich als Zuschauer verwirrt zurück. So schnell wie der mysteriöse Astronaut auftaucht, verschwindet er auch wieder. Was hat es mit ihm auf sich? Eine Frage, die ungeklärt bleibt. Als der Astronaut dann plötzlich in einer anderen Szene die US-amerikanische Flagge in den Asphalt stößt, hänge ich komplett ratlos hinterher. Mir selbst fielen keine sinnvollen Erklärungen ein, aber der Regisseur wird sich dabei schon etwas gedacht haben.

Gut dargestellt wurde meiner Meinung nach das mit den neuen Schuhen gewonnene Selbstbewusstsein des Teenagers. Sein Gang, seine Ausstrahlung und sein Auftreten verändern sich grundlegend. So lernt er gleich am ersten Tag mit den Schuhen ein junges, hübsches Mädchen kennen. Ob das wirklich nur den Schuhen zu verdanken ist?

Als er diese dann kurz danach unfreiwillig los wird, beginnt auch schon das große Abenteuer. In dem ganzen Trubel und den neuen Erfahrungen, die Brandon in Oakland macht, scheinen seine Ersatzschuhe, welche geblümte Schlappen seiner Mutter (die wir übrigens zu keinem Zeitpunkt zu Gesicht kriegen) sind, völlig nebensächlich zu sein. Und auch die Sportschuhe sind für einen Moment komplett irrelevant, denn Brandon lebt sein Leben, er hat Spaß. Eine Entwicklung, die man ebenfalls hätte verfolgen können.

Doch Brandon steigert sich sehr rein und nimmt jede Gefahr für seine Schuhe in Kauf. Den Rat seines Onkels nimmt er nicht an. Mahershala Ali (MOONLIGHT, HIDDEN FIGURES) spielt hier wie so oft den weisen Gangster-Mentor, ausgebildet von der harten Realität der Straße. Und wenn er es macht, dann gut. Es folgen brutale Szenen. Als der wütende Teenager dann beschließt, eine Waffe einzusetzen, sind auch seine Freunde nicht mehr ganz von seiner Sache überzeugt und wollen ihn abhalten, denn auch Flaco wird nicht vor Gewalt zurückschrecken.

Flaco (Kofi Siriboe), der Anführer und mit Abstand Gefährlichste aus der Gang sorgt auch schon für die erste Wendung in der Story. Die Sneakers, die er einem kleinen Jungen brutal in einer Szene abzieht, schenkt er in der nNächsten einem anderen liebevoll. Nämlich seinem kleinen Bruder.

Beim Anblick des heruntergekommenen Hauses, in dem er und sein Bruder leben, wird einem mulmig zumute. Meiner Meinung nach ist die Idee, Flaco nicht als durchweg bösen Antagonisten ohne menschliche Seite darzustellen sehr gut und auch interessant umgesetzt worden. Ist das vielleicht eine erste Andeutung Tippings darauf, dass Kriminalität ein Teufelskreis in solchen Armenvierteln ist und man so um seine Existenz kämpfen muss? Wieder ein Bild, dass den Zuschauer nachdenklich zurücklässt und diese Realität, die vielen Menschen so fremd ist, gut aufzeigt.

Der Film hat meiner Meinung nach einige Längen, macht sich zwischendurch aber mit guten Bildern und passender musikalischer Untermalung wieder interessanter. Die verschiedenen Kapitel, in die der Film eingeteilt ist, sind nach Rap-Songs bekannter Künstler wie z.B. Jay-Z, NAS und Tupac benannt und werden mit diesen eingeleitet. Zwischendurch hören wir auch den Protagonisten rappen. In seinen Texten verarbeitet er seine Emotionen und Erfahrungen.

KICKS ist im Großen und Ganzen ein unterhaltsamer Film, den man sich definitiv ansehen kann. Justin Tipping experimentiert mit Effekten und künstlerischen Elementen, die meiner Meinung nach mal mehr, mal weniger sinnvoll und gut sind. Das Potential des Regisseurs und auch der Schauspieler ist jedoch deutlich erkennbar und ich hoffe, in Zukunft mehr von ihnen und insbesondere von Jahking Guillory und seinen coolen Haaren zu sehen.

KICKS ist seit dem 13. April 2018 in Deutschland als DVD und BluRay erhältlich. In den USA feierte der Film bereits am 9. September 2016 Premiere.

von Begüm Karagöz

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Universum Film

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Seit ich Teil des Filmaffen-Teams bin kann ich meine exzessiven Film- und Serienmarathons endlich mit dem Vorwand sie anschließend rezensieren zu müssen als eine meiner größten Leidenschaften anerkennen lassen und habe auch schon gleich ein besseres Gefühl dabei stundenlang vor'm Bildschirm zu hängen.
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