Humorvolle Meisterdetektive

Film Noir trifft Lachmuskel auf ein Whisky Sour an der Bar…

Detektivgeschichten haben etwas heimisches, wie etwas unheimliches. Fiese Ganoven, clevere Ermittler und hilflose Frauen sind die Grundsubstanz eines guten Krimis. Wenn dann noch eine Prise Humor dazukommt, wird aus einer Guten eine fantastische Geschichte, in der sich der Film Noir mit den Lachmuskel an der Bar auf ein Whisky Sour trifft und gemeinsam über ein Genre sinniert, das seit mehr als einem Jahrhundert funktioniert und fasziniert.

Völlig subjektiv und absolut parteiisch möchte ich euch hier einige die größten humorvollen Meisterdetektive und ihre Filme vorstellen. Vorab blicke ich jedoch zurück und suhle mich ein wenig in dem dreckigen Morast eines finsteren Filmgenres, das sich für mich wie Heimat anfühlt, in Wahrheit jedoch in die tiefsten Abgründe der Menschheit blickt.

Die Faszination: Detektivgeschichten

Detektivgeschichten hatten auf mich schon immer eine ganz besondere Anziehungskraft. Einerseits mochte ich die unkonventionelle, freche Art der Ermittlung des Schnüfflers, der seine Nase immer wieder penetrant tief in die Wunden legt und den Verbrecher aus der Reserve lockt. Anderseits gefiel mit immer dieser mit den Geschichten verbundene Stil: Trenchcoat, Hut, regennasse Straßen, dunkle Gassen, zwielichtige Bars und hinterlistige Charaktere. Die Welt der Detektive war dreckig, gemein, roch nach billigem Fusel, rinnenden Blut und herben Frauenparfüm. Keine Frage: Das Leben in diesem Milieu ist kein Gutes, aber ein Aufregendes und ich wollte schon als kleiner Junge rein in den kriminellen Sumpf, die Hinterzimmermänner aufmischen und später auch der rassigen Rothaarigen aus ihrem Konflikt mit dem Bandenchef heraushelfen.

Im Sumpf des Verbrechens: Der Film Noir

Der Film Noir, der schwarze Film, scheint heute ein Relikt aus der goldenen Ära Hollywoods. In den 1940er und 1950er dominierten die dunklen Krimigeschichten, wie FRAU OHNE GEWISSEN (1944) DER MALTESER FALKE (1941), RÄCHER DER UNTERWELT (1946) oder IM ZEICHEN DES BÖSEN (1958), das Kino. Ästhetisch, wie erzähltechnisch waren es Meilensteine, die sich unter anderen aus dem deutschen Expressionismus der 20er und 30er Jahre entwickelten und maßgeblich von deutschen Emigranten in Hollywood definiert wurden. Die Filme erzählten von Unterwelten, von den Schattenseiten des Lebens, in denen die Mächtigen das Leben der Schwachen kontrollieren, in den sich die ordentliche Gesellschaft auf dem Kopf stellt und in denen der Schnüffler den Verbrechern dicht auf den Fersen ist. Die alles umfassende Lehre des Genres: Das perfekte Verbrechen gibt es nicht – aber probieren kann man es ja mal.

Humorvolle Meisterdetektive

Dramatik und Pathos tränkten die verruchte Szenerie des Film Noirs und waren symbolische Vorboten von tragischen Schicksalen am Ende jedes Film, aus denen sich die Figuren versuchen zu befreien, denen sie jedoch nie entkommen können. Diese Überdramatik, die dem Genre einst innewohnte, wirkt heute ungewollt komisch. Und schon in den 70er Jahren nahm man sich dieser Symbolik an und überzeichnete sie. Das Drama verwandelt sich schlagartig in eine Komödie. Hier plant der Schurke immer noch das perfekte Verbrechen, doch er stellt sich dabei bei weitem nicht mehr so geschickt an. Obendrein sind Pathos und Dramatik nur noch Stilmittel für die nächste Pointe oder für einen nicht bös-gemeinten Seitenhieb. Die Grundmotive (Gauner, Zwielicht, Femme Fatal, Ermittlung, etc.) blieben in diesen Detektivkomödien erhalten, doch sie wurden anders interpretiert. So wurde aus dem ernsten, geschundenen Ermittler ein süffisanter Sprücheklopfer, schusseliger Tolpatsch oder egozentrischer Entertainer, der sich selbst und sein Genre mal intelligenter und mal etwas flacher persifliert. Geradezu Pflicht: Nun gewinnt am Ende immer das Gute.

Detektive beim Dinner:

Ein früher Meilenstein der Detektivsatiren ist EINE LEICHE ZUM DESSERT (1976). Der Film stellt gleichzeitig eine Hommage an die stereotypischen Detektive dar: Gleich fünf Meister ihres Faches werden in eine alte Villa zum Dinner eingeladen. Während des Abendessen wird der Gastgeber zum Mordopfer. Die Schnüffler ermitteln alle auf ihre Weise und kommen sich dabei in die Quere, ja verdächtigen sich gar gezwungenermaßen untereinander. Diese aufgeladene Atmosphäre wird durch eine Menge Humor und einen immer unrealistischeren Handlungsfortgang aufgebrochen. Auch wird die manchmal doch sehr an den Haaren herbeigezogene Deduktion des Filmdetektiven ad absurdum geführt, in dem überraschende (und keinesfalls offensichtliche) Beweise vorlegt werden, um die Schuldfrage von einem Detektiven auf den anderen zu schieben.

Ein Best of der Meisterdetektive

TOTE TRAGEN KEINE KAROS (1982) ist ein oft vergessenes, schwarz-weißes Meisterwerk der modernen Collage. Der Film, in dem Komiker und Schauspieler Steve Martin einen Detektiven spielt, recycelt altes Filmmaterial aus Klassikern des Film Noirs und baut sie frech in die eigene Handlung ein. Die daraus resultierenden, manchmal sehr sinnfreien Szenen finden ihren eigenen, sehr ungewöhnlichen Ton. So telefoniert Martin mit Humphrey Bogart einfach, weil er es kann. Die Geschichte ist wirr und hangelt sich von einer wiederverwerteten Szene zur nächsten und ergibt am Ende jedoch trotzdem so etwas wie eine Geschichte. Die Idee, eine Satire zu kreieren, in dem nicht nur die großen Darsteller des Film Noirs persifliert werden, sondern sogar selbst ein Teil der Handlung ist, ist so ungewöhnlich wie genial und bisher auch einzigartig im gesamten Genre. Wer die Gelegenheit hat und der alten Filme kundig ist, der darf sich diese Spaß nicht entgehen lassen.

Detektive zwischen Realität und Fiktion

Am Ende der 80er schuf Disney mit FALSCHES SPIEL MIT ROGER RABBIT (1988) eine kindgerechte Satire, die auch eine grenzüberschreitende Geschichte zwischen Zeichentrick und realer Welt darstellt. Ausgerechnet eine liebevolle Zeichentrickfigur wird eines Mordes verdächtigt – so eine Konstellation gab es noch nie. Der Film persifliert damit gleich zwei Genre: Den klassischen Detektivfilm der goldenen Hollywood-Ära wie die Cartoonwelt von Disney. Dieser Stil hatte Methode und wurde auch für die Comicverfilmung DICK TRACY (1990) mit Warren Beatty, die auf die gleichnamige Kultcomicreihe basiert, und den grenzwertig-versauten und keinesfalls kinderfreundlichen Film COOL WORLD (1992) mit Brad Pitt und Kim Basinger weitergeführt. Man wurde also deutlich experimentierfreudiger und spielten mit Genrecrossovern, die nicht selten sogar die Grenzen zwischen Realität und Fiktion überschritten.

Auch der deutsche Film um die Jahrtausende beschäftigte sich mit den Krimis von einst und schuf mit DER WIXXER (2004), NEUES VOM WIXXER (2007) und KOTTON ERMITTELT (2011) gleich drei liebevoll inszenierte wie urkomische Filme. Als Hommage an die guten alten Edgar Wallace-Krimis spielten vor allem die ersten beiden mit den Motiven des Genres, indem sie Farbfilm und Schwarz-weiß-Film einander gegenüberstellten.

Keine Ende in Sicht?

Diese Satire deuteten ein Ende (oder wenigstens eine kurze Phase des Niedergangs) eines Genres an. Tatsächlich ist die komische Auseinandersetzung auch immer ein kritisches Hinterfragen der eigenen, eingefahrenen (gar stagnierenden) Motive, worauf eine Neuinterpretation und damit auch ein Wiederaufblühen des Genres einhergeht. So folgte nach den komischen Jahres des Detektivfilms in den 70er bis frühen 2000er Jahren eine neue Hochphase: Der Neo Noir fand zurück zu den Wurzeln des Krimis und griff die Kritik der Satiren auf. Welche Filme sich hier hervortaten, davon erzähle ich euch in einem meiner nächsten Texte.

Weitere Vertreter des Genres: INSPEKTOR CLOUSEAU-Reihe, GENIE UND SCHNAUZE (1988), ALLE MÖRDER SIND SCHON DA (1985), DIE SUPERNASEN (1983), KONDOM DES GRAUENS (1996), ACE VENTURA (1994)

Jörg Gottschling

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
Jörg Gottschling

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