GAME OF THRONES – Staffel 6 (2016)

Der Winter ist da

10 Millionen Dollar pro Folge, 100 Millionen Dollar für die gesamte Staffel: GAME OF THRONES stellt aktuell das Nonplusultra im Fernsehen dar. Basierend auf der Buchreihe „A Song of Ice & Fire“ von George R.R. Martin, die die Konflikte und Intrigen rund um den fiktiven Kontinent Westeros zeigt, darf sich aktuell wohl keine andere TV- Serie einer derart großen Beliebtheit erfreuen wie GAME OF THRONES. Das ist auch kein Wunder, denn was an Effekten, Ausstattung und Darstellern aufgefahren wird, lässt viele Großproduktionen Hollywoods alt aussehen.

Mit der 6. Staffel sind die Macher an einen Scheideweg gelangt: Die Nachfolgebücher, auf denen die Serie basiert, sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertig geschrieben. Von nun an ist HBO auf sich selbst angewiesen und kann nicht mehr auf die Vorlagen von Mastermind George R.R. Martin zurückgreifen. Wie das Ergebnis aussieht, verrät euch diese Kritik.

ACHTUNG! Der Inhalt und das Fazit dieser Kritik enthalten massive Spoiler zu allen Staffeln von GAME OF THRONES.

INHALT:

Nachdem Jon Schnee (Kit Harington) von Saboteuren der Nachtwache erstochen wurde, findet Ser Davos (Liam Cunningham) seine Leiche und bittet die Hexerin Melisandre (Carice van Houten) um Hilfe. Diese soll Jon wiederbeleben, da er einen wichtigen Bestandteil des Kampfes gegen die weißen Wanderer darstellt.

Sansa Stark (Sophie Turner) und Theon Graufreund (Alfie Allen) befinden sich weiterhin auf der Flucht vor Ramsay Bolton (Iwan Rheon) und erhalten Hilfe von der Ritterin Brienne (Gwendoline Christie). Währenddessen setzen Daario Naharis (Michiel Huismann) und Jorah Mormont (Iain Glen) ihre Suche nach Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) fort, die in die Fänge der Dothraki gerät. Zeitgleich müssen Tyrion Lennister (Peter Dinklage) und Lord Varys (Conleth Hill) beobachten, wie sich der Hass auf Daenerys in der Sklavenbucht Meereen steigert.

Brandon Stark (Isaac Hemstead-Wright) baut seine Fähigkeiten als Seher aus, während seine Schwester Arya (Maisie Williams) in Bravos weilt und hart trainiert, um ihre Rache zu bekommen. In Königsmund muss Cersei Lennister (Lena Headey) mit ansehen, wie sich ihr Sohn und König Thommen Baratheon (Dean-Charles Chapman) nicht gegen den Glauben der Sieben um den Hohen Spatz (Jonathan Pryce) behaupten kann. Jamie Lennister (Nicolaj Coster-Waldau) hat währenddessen andere Ziele…

FAZIT:

Bereits Monate vor Ausstrahlung der 6. Staffel von GAME OF THRONES ist HBO ein genialer PR-Griff gelungen. Nachdem Fanliebling Jon Schnee am Ende der 5. Season den Löffel abgegeben hat, wurde ein Teaserplakat veröffentlicht, dass ihn blutüberströmt zeigt – spielt er also doch noch eine Rolle in der 6. Staffel? Gleich die erste Szene der neuen Folgen greift diese Storyline auf und knüpft somit nahtlos an die vorherige Season an. Und verdammt, besser hätte es HBO nicht machen können:

Die Ereignisse überschlagen sich geradezu und fesseln das Publikum derart, dass auch hier wieder „Durchsuchten“ angesagt ist. Jede einzelne Folge begeistert mit Schauwerten der Extraklasse, hält aber weiterhin gekonnt die Balance zwischen Actionszenen und ruhigen Passagen.

Auch die Dialoge strotzen nur so vor Genialität. Nehmen wir Tyrion Lennister als Beispiel: Der wohl zweitbeliebteste Charakter nach Jon Schnee, immer noch brillant von Peter Dinklage (PIXELS; 2015/ TAXI; 2015) verkörpert, genehmigt sich immer wieder zynische Kommentare (‚I drink and I know things‘), nur um in der darauffolgenden Szene seinen verantwortungsbewussten Charakter zu zeigen. Überhaupt gehören die zahlreichen Oneliner und intriganten Sprüche zu den Highlights von GAME OF THRONES. Die Charaktere sind vielschichtig und klischeefrei, ein unglaublich wichtiger Aspekt, um die Geschichte am Leben zu halten. Teilweise werden einzelne Dialoge durch diese Unsichtigkeit derart spannend gestaltet, dass der Zuschauer nicht anders kann, als permanent am Ball zu bleiben und dem Verlauf mit offenem Mund zu verfolgen.

Aber GAME OF THRONES wäre nichts ohne seine epischen Schlachten und der berüchtigten „Folge 9“, auf die sich Fans jedes Jahr immer wieder aufs Neue freuen. Alleine diese Folge wäre einen Spielfilm wert gewesen. Was hier an Statisten, Effekten, Spannung und Action geboten wird, stellt die TV- Landschaft auf den Kopf. Zweifellos hat GAME OF THRONES schon in den letzten Jahren gezeigt, wozu es fähig ist. Aber „The Battle of the Bastards“ wird schwer zu überbieten sein. Höchstens das Finale der gesamten Serie, dass sich mit Ende der letzten Folge offenbart, könnte das Ganze noch überbieten. Die Messlatte wurde nun unendlich hoch gesetzt.

Eine Storyline, die in der 5. Staffel komplett ausgeblendet wurde, wird hier wieder aufgegriffen: Brandon Stark (Isaac Hempstead-Wright) baut seine Fähigkeiten als Dreiäugiger-Rabe aus, der in die Vergangenheit blicken kann. Unterstützung erfährt er von einem routinierten Max von Sydow (DER EXORZIST), der einen tollen Auftritt hinlegt. Besonders zwei Geheimnisse werden hier gelüftet, die in den letzten Folgen für einigen Zündstoff sorgen werden. Überhaupt zeichnet sich diese Staffel durch zahlreiche Enthüllungen aus. Es gibt große Aha- und Wiedersehen-Momente, die leicht schleichende Story endlich vorantreiben.

Jede Storyline hat seine eigenen Stärken, und wirklich jeder Charakter seinen großen Moment. Besonders auffallend sind hier unter den bereits genannten Protagonisten noch Cersei „Bad Bitch“ Lennister und Daenerys Targaryen. Die letzten Bilder der 10. Folge bereiten den Zuschauer auf etwas Großes vor. Man darf gespannt sein, wie HBO die Lösung präsentieren wird. Vor allem budget-technisch wird das wieder ein Mammutprojekt sein. GAME OF THRONES – Staffel 6 hat die kleinen Fehler aus der vorherigen Staffel gekonnt ausgebügelt und das Level noch einmal höher gelegt. Zeit also, Wein einzuschenken und den Fernseher einzuschalten. Winter has arrived.

von Salih Yayar

Bewertung:

Bildquelle: HBO 2016

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Salih Yayar

Salih Yayar

Hey, ich bin Salih, 28 Jahre alt, kinosüchtig und Serienfreund. Große Epen, Sci-Fi und Independent sind mein Ding - also eigentlich alles. Und wenn ich nicht gerade über Multimedia oder Politik diskutiere, versuche ich selber mal etwas auf die Leinwand zu zaubern. Meistens kläglich.
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