Filmkritik: ZWEI IM FALSCHEN FILM (2018)

ZWEI IM FALSCHEN FILM (2018)

Pärchenkrise bei Hans und Heinz

Die Komödie ZWEI IM FALSCHEN FILM trägt ihre Wertung schon im Titel. Die Story hat Potential, die Ausführung hinkt träge hinterher. Klischees prasseln aufeinander und der Gegensatz Mann und Frau möchte nicht so recht in Fahrt kommen. Während dessen schlafen Füße ein und es werden Einkaufspläne geschmiedet…Butter nicht vergessen, oder Salz oder Pfeffer – jedenfalls etwas mit mehr Geschmack und Würze als dieser Film hier.

 

INHALT:


Nach acht Jahren Beziehung leben Hans (Marc Hosemann) und seine Freundin Heinz (Laura Tonke) eher nebeneinanderher. In der Beziehung der Beiden ist der Alltag eingekehrt: Die Abende verbringen sie Chips essend in Jogginghosen auf der Couch, von Romantik und Leidenschaft keine Spur. Der augenscheinliche Mangel wird Hans und Heinz bei einem gemeinsamen Kinobesuch vor Augen geführt, so sind sie doch eher Kumpel als ein Liebespaar.

Der Liebesfilm regt das Paar zum Nachdenken an und sie erstellen eine Liste von Dingen, die ihnen im Laufe ihrer Partnerschaft abhandengekommen sind. Sie beschließen, dass der Jetzt-Zustand untragbar ist und beginnen angelehnt an den Liebesfilm Romantik und Leidenschaft mittels medienvermittelter Pärchenillusion zu erleben. Schnell bemerken Hans und Heinz, dass zwischen märchenhafter Filmbeziehung und der Realität ein himmelweiter Unterschied besteht, denn das Leben ist nun mal das Leben…

FAZIT:

Die deutsche Produktion ist auf allen Ebenen eher mäßig bis langweilig, was sich sowohl im Drehbuch als auch in der Umsetzung bemerkbar macht. Laura Lackmann (MÄNGELEXEMPLAR; 2016) schrieb das Drehbuch für ZWEI IM FALSCHEN FILM und führte ebenfalls Regie, doch anders als ihre Adaption des Bestsellerromans von Sarah Kuttner ist dieser Film keinesfalls preisverdächtig. Gängige Beziehungsklischees werden aufgegriffen und ebenso wiedergegeben, was ziemlich schade ist, denn gerade die Kommunikation zwischen Mann und Frau bietet viel Potential für humoristische Missverständnisse. Der Spielraum wird aber nicht genutzt und der Film bleibt durchgängig platt.

Der Film setzt mit dem gemeinsamen Kinobesuch von Hans und Heinz ein. Das zwischen den beiden etwas nicht stimmt wird bereits dem debilsten Cineasten dadurch deutlich, dass Hans seine doch weibliche Freundin Heinz ruft. Ach ist das witzig, die Frau wird zum Mann und die Namen des Paares imitieren das kumpelhafte Miteinander der Beiden. Die Vermännlichung der Rolle wird nicht nur durch den Namen deutlich, nein sie fährt sogar das gemeinsame Auto und schlägt den Mann an ihrer Seite beim Videospielen. Da liegt doch was im Argen, denke ich mir als erfahrene Kinobesucherin mit kleinem Hang zu Schmonzetten und Rosamunde Pilcher Allüren. Kein typischer Liebesfilm, das ist nun mal klar, denn nicht nur die Romantik und Leidenschaft sind bei Hans und Franz, pardon Heinz, eingeschlafen, auch meine Füße schlafen ein, während ich den Beiden auf der Couch beim Zocken zusehe.

Man muss was ändern denke ich mir und oh wunder, auch Heinz bemerkt das der IST-Zustand ihrer Beziehung sich vom SOLL-Zustand einer Beziehung entfernt hat. Es kommt Leben in die Bude, denke ich, doch das Paar erstellt eine Liste von Dingen, die ihnen in der jetzigen Beziehung fehlen. Ja, Listen sind schon was Feines denke ich mir und erstelle parallel die Einkaufsliste im Kopf, während Heinz Hans Unterarm mit einem Kugelschreiber verziert.

Szenenwechsel: Kurz darauf sitzt Heinz beim Friseur mit dem Wunsch nach Extensions, denn wir alle wissen ja, Weiblichkeit beginnt bei langen Haaren auf dem Kopf. Nicht. Mit neuer Wallemähne gönnt sich das Paar zwecks romantischer Stimuli ein Wellness-Hotel, denn was bringt mehr Leidenschaft als traute Zweisamkeit in einem Pool unter dem Sternenhimmel. Blöd nur, dass im Körper-Tempel Alkoholverbot herrscht und den beiden unterm Sternenhimmel die Mägen knurren. Man versucht sich in der tippie-ähnlichen Unterkunft mit körperlichen Leibesübungen zwecks Erzeugung von Leidenschaft, doch die Haare sind im Weg und das mit den Körperflüssigkeiten ist ja auch immer so ein Thema. Tatsächlich, denke ich mir. Doch es kommt noch besser, Heinz hegt offensichtlich einen Kinderwunsch, Hans (optisch irgendwo bei 48 Jahren) möchte sich noch Zeit lassen. Ähm gut, Heinz heult, die Stimmung ist dahin. Pardon, Stimmung kommt weiterhin nicht auf, denn die war gar nicht da.

Und so plätschert der Film dahin, gut Heinz trifft einen Ex-Freund, Hans bekommt eine neue heiße Mitarbeiterin und es kriselt zwischen den Beiden. Ein Verlust in der Familie zwingt die beiden ins Elternhaus. Hier das spröde Paar mit der jahrelangen Ehe der Eltern konfrontiert und auch der homosexuellen Ehe des Bruders von Hans. Es steht natürlich die Frage im Raum, warum diese Beziehungen romantisch, leidenschaftlich funktionieren und die eigene eher nicht. Können sich Hans und Franz, pardon Heinz, noch zusammenraufen oder ist es an der Zeit neue Wege zu beschreiten?

ZWEI IM FALSCHEN FILM kann als sprechender Titel betrachtet werden, wenn man zu zweit ins Kino geht. Das Gefühl, man wäre im falschen Film, ist latent vorhanden, die Option den Film vorzeitig zu verlassen, sollte man nutzen, denn entgegen der Ankündigungen braucht der Film keine Anlaufzeit, um gut zu werden, der Film ist Anlaufzeit, auf 90 Minuten berechnet. Realitätsvermittlung im Lichtpalast ist schön und gut, doch wenn es an Witz mangelt und lediglich grauer Alltag abgebildet wird, lohnt sich der Kinobesuch nicht.

ZWEI IM FALSCHEN FILM läuft seit dem 31.05.2018 in den deutschen Kinos.

von Lena Gerlach

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Farbfilm Verleih

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