EQUALS (2015)

Ein Leben ohne Liebe

In der Sciene Fiction Romanze EQUALS von Regisseur Drake Doremus wird uns von einer Welt  der Gleichheit und des Friedens erzählt. Doch die perfekte Welt bröckelt im Stillen. Etwas, das unkontrollierbar ist, gefährdet die Gemeinschaft, aber es macht das eigene Sein darin auch lebenswerter: Gefühle.

INHALT:

Die Menschen leben in einer perfekten Welt ohne Krieg, ohne Hunger und ohne Leid – aber auch ohne Gefühle. Nach jahrelanger genetischer Forschung ist der Mensch in der Lage seine Emotionen, die als störend für die weitere Entwicklung der Menschheit und Hauptgrund für Tod und Zerstörung in der Vergangenheit angesehen wurden, zu unterdrücken.

Doch ein Virus geht um: SOS („Switched on Syndrom“). Eine Störung, die das eigene emotionale Empfinden beeinflusst. Man kann seine Emotionen nicht mehr kontrollieren. Der Grafiker Sylus (Nicolas Hoult) hat sich angesteckt. Er ist im ersten Stadium der Krankheit und versucht, mit seinen neuen Empfindungen umzugehen. Als sein Umfeld davon erfährt, erlebt er eine stille Abgrenzung. Nur seine Kollegin Nia (Kisten Stewart) kann seine neue Situation nachvollziehen. Denn, was keiner weiß, auch sie leidet an SOS. Zwischen beiden beginnt eine verbotene emotionale Verbindung…

FAZIT:

Die Welt, wie wir sie in EQUALS präsentiert bekommen, ist offensichtlich entlehnt an Georg Orwells 1984 und dem Sciene Fiction Film EQUILIBRIUM (2002). So befinden sich die Menschen in einem totalitären System, in dem jeder Mensch überwacht wird, gleichgeschaltet ist und seine Emotionen kontrollieren muss. Jeglicher emotionale Ausbruch wird genauso wenig toleriert, wie ein Ausbruch aus dem streng geordneten Leben geduldet wird. Jeder muss sich dem Wohl der Gemeinschaft unterordnen – Gefühle sind fehl am Platz. Ein vulkanischer Lebensansatz, der nach Perfektion strebt. Aber der Mensch ist nicht perfekt und ein gefühlloses Leben ist nicht seine Natur.

Das zeigt sich in einem typischen Verhalten der Menschen: Denn kaum wird etwas verboten, sammeln sich Gruppen zusammen, um das Verbot zu brechen. Sie leiden an einer „Krankheit“ und werden, Maschinen-gleich die „Defekten“ genannt. Dabei, so aus unserer Sicht, verinnerlichen sie nur das, was uns Menschen als Individuum ausmacht: Emotionen, eigene Empfindungen. So ist die Abkürzung „SOS“ ein wortwörtlicher Hilferuf für die ganze Menschheit, die sich selbst in einem unemotionalen Gefängnis der Perfektion eingesperrt und sich jegliche Lebensfreude genommen hat.

In EQUALS sind, wie der Titel schon sagt, alle gleich. Aber manche sind, um einmal mehr Orwell einzuwerfen, „gleicher“. Die Schwachen wurden über Jahrzehnte aussortiert und die Fortpflanzung unterliegt einer strengen Kontrolle, der sich jeder unterordnen muss. Sie wird gar von staatlicher Seite aufoktroyiert. Schwangerschaft ist also keine Wahl mehr, sondern eine Pflicht. Familien, so wie wir sie kennen, gibt es auch nicht. Überraschenderweise existiert jedoch die Kreativität. So sind die beiden Hauptrollen Grafiker und Texter. Die Entstehung eines Buches wird jedoch genauso kalt und unemotional dargestellt, wie die Entwicklung eines neuen Autos.

Diese gesellschaftliche Kälte spiegelt sich auch in der Umgebung wider. Alle Gebäude, alle Räume sind nur spärlich und sehr funktional eingerichtet. Das Weiß bestimmt Kleidung und Gebäudefarbe. Es ist eine sterile Welt, in der Keime scheinbar keine Chance haben und in der die eigene Entfaltung keine Plattform hat.

Sehr ruhig und nicht aufdringlich wird uns diese reine Welt zunächst vorgestellt. Atmosphärische Klänge untermalen die Szenerie und lassen die Welt etwas himmlisches annehmen. Doch der perfekte Ort hat seine Makel: Die Defekten. Die Gemeinschaft fürchtet sich vor ihnen, weil sie sich vor den Gefühlen fürchten. Eine begründete, wie unbegründete Furcht. Denn Perfektion ist ein Zustand, der nie erreicht wird, von dem Einzelnen aber auch immer anders ausgelegt wird. In EQUALS bedeutet Perfektion für die Gemeinschaft, dass man effizient und ohne Ablenkung arbeitet. Aber ein nahezu perfekter Zustand kann auch das Glück zu zweit sein. Dieser Gegensatz ist das Leitmotiv des Films, indem zwischen den eigentlich funktionierenden Vorzeigearbeitern Sylus und Mia eine Romanze entwickelt. An dieser Stelle verfällt EQUALS jedoch den klassischen Klischee einer kitschigen Liebesgeschichte.

Der Film erzählt sich mehr durch Bilder, denn durch Dialoge. Er schafft Momente, sprichwörtliche Augenblicke, in denen sich Nicolas Hoult (MAD MAX: FURY ROAD; 2015) und Kirsten Stewart (STILL ALICE; 2014) ineinander verlieren – und das machen beide zugegebenermaßen wirklich sehr glaubwürdig. Allerdings trieft und tropft ab hier der Film aus allen Poren und ist an Science Fiction Kitsch kaum zu überbieten. Diese Szenen, in denen im Grunde nichts passiert, ziehen sich wie Kaugummi. Zugegeben: Sie sind eine Metapher auf das emotionale Innenleben der Figuren, die nicht nur die Gefühle in sich, sondern für den anderen entdecken. Und doch sind diese Szenen spätestens ab beim dritten Mal kaum zu ertragen einschläfernd.

Insgesamt ist EQUALS ein interessantes Werk, mit einem Zukunftsszenario, das nicht böswillig und düster daherkommt und sich doch in ihrer kalten Perfektion als unwohnlich und nicht lebenswert herausstellt. Die Liebesgeschichte ist zwar ein guter Ansatz, um das Schreckliche im scheinbar Perfekten zu offenbaren. Doch leider wurde mir vor allem in dem Momenten, in denen eigentlich nichts passiert, etwas zu sehr übertrieben. Wer jedoch ruhige, angenehme Filme, die dahinplätschern und romantisch zerschmelzen, mag, der bekommt mit EQUALS sogar einen Film geboten, der dies auch noch in einen gelungenen, gesellschaftskritischen Rahmen einbettet. Und das können wiederum nur wenige Filme dieser Art von sich behaupten.

EQUALS ist seit dem 10.11.2016 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Koch Media 2016

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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