DRAUSSEN WARTET DER TOD (1955)

Schwacher western von einem Meisterregisseur

Anthony Mann ist ein Western-Regiemeister. Die 1950er Jahre waren seine produktivste Zeit, was dieses Genre angeht. In dem Jahrzehnt drehte er viele seiner besten, bis heute hochgelobten Westernklassiker wie MEUTEREI AM SCHLANGENFLUSS (1952), NACKTE GEWALT (1953) oder ÜBER DEN TODESPASS (1954). Er schuf geniale Filme in dieser Zeit. DRAUSSEN WARTET DER TOD ist keiner davon, auch wenn er aus dieser produktiven Ära stammt. Er ist eher ein Beispiel dafür, dass auch gute Regisseure mal schwache Filme drehen.

 

INHALT:

Die Trapper Jed (Victor Mature), Gus (James Whitmore) und ihr indianischer Freund Mungo (Pat Hogan) werden von einer Gruppe Indianer überfallen und ausgeraubt, obwohl sie eigentlich immer friedlich mit ihnen ausgekommen waren. Grund für den Sinneswandel der Rothäute sind amerikanische Soldaten, die in der Nähe ein Fort aufgebaut haben und den Indianerstamm bedrohen.

In der Absicht, das Gestohlene von der Armee zurückzuverlangen, gehen die drei Trapper zum Fort. Doch schnell lassen sie ihre Forderung fallen und schließen sich stattdessen den Soldaten als Scouts und Fährtenleser an. Bald darauf kommt der Offizier Marston (Robert Preston) ins Lager und übernimmt das Kommando. Er hat ein schlechtes Urteilsvermögen und will seine Soldaten mit einem plötzlichen Angriff in den sicheren Tod schicken. Jed will ihm das ausreden, doch der Oberst ist wie wahnsinnig und lässt sich nicht überzeugen…

FAZIT:

Es passiert relativ wenig in DRAUSSEN WARTET DER TOD. Und das Wenige, das passiert, ist nicht allzu interessant. Es ist untypisch für Anthony Mann: fehlendes Drama, fehlender Spannungsbogen, dafür Klischees und Stereotype – normalerweise ist es bei ihm genau andersherum. Nur wie sich Jed den Befehlen und Regeln der Armee widersetzt, bietet einen Reiz. Doch auch das ist in weiten Teilen unglaubwürdig.

Vor allem die Szenen mit der einzigen Frau des Films, der Frau des Obersts, sind schnulzig und klischeebeladen. Sowieso ist das in DRAUSSEN WARTET DER TOD dargestellte Frauenbild aus heutiger Sicht schwer zu ertragen. Dazu zählen besonders die Flirt- und Balzversuche von Jed, die man heute klar als sexuelle Belästigung, wenn nicht gar als Vergewaltigung werten würde. Dort werden sie aber als legitime und notwenige, vielleicht sogar lustig wirkende Anmachversuche inszeniert. Man bekommt vermittelt, dass sich ein Mann eine Frau mit Gewalt nehmen muss, weil sie ja eigentlich genau das will. Eine solche Vorstellung war zur damaligen Zeit in Filmen zwar weit verbreitet, heute kann man allerdings nicht mal mehr darüber lachen wie über manche andere naive, veraltete Darstellungen.

So ist DRAUSSEN WARTET DER TOD leider eine herbe Enttäuschung. Aber nun gut: Auch ein Meisterregisseur wie Anthony Mann kann nicht mit jedem Film einen Treffer landen.

Die Blu-ray enthält als Bonusmaterial einen Trailer Reel und eine Bildergalerie. DRAUSSEN WARTET DER TOD ist seit dem 07.12.2017 im Handel erhältlich.

von Benjamin Wirtz

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Koch Media

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Benjamin Wirtz

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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