DIE LEGENDE DES BEN HALL (2016)

Der australische Jesse James

Outlaws waren im Western schon immer beliebte Heldenfiguren – ob Billy the Kid, Jesse James oder Butch Cassidy. Nun hat es mit DIE LEGENDE DES BEN HALL auch dieser eher unbekannte australische Bandit, der wirklich existiert hat, zu einem Film geschafft. Die Geschichte ähnelt dem Klassiker JESSE JAMES – MANN OHNE GESETZ (1939) – von der Bandengründung über die Überfälle und das Kopfgeld bis zum Verrat.

Diese Outlaws wie Jesse James wurden in den klassischen Western stets als Helden dargestellt – meist durch das Schicksal in ihre Gesetzlosigkeit gezwungen (Die James-Brüder etwa durch die ungerechte Enteignung des Landes und die Tötung ihrer Mutter). So kam Verständnis für ihren kriminellen Weg auf. Und immer wurden sie in den Filmen zumindest zwischenzeitlich als unsympathisch und größenwahnsinnig charakterisiert – eine Art Kritik des Werdegangs. In DIE LEGENDE DES BEN HALL findet man all das nicht: Er zeigt nicht, dass Ben Hall wegen unglücklicher oder ungerechter Umstände zum Outlaw werden musste und er zeigt ihn auch nicht als unsympathischen Banditen. Im Gegenteil: Er übertreibt die Heldenzeichnung, bis er Ben Hall am Ende zum Heiligen stilisiert. Doch fangen wir vorne an:

INHALT:

Australien Mitte des 19. Jahrhunderts: Benjamin Hall (Jack Martin) ist seit Jahren vor dem Gesetz auf der Flucht. Er tut sich mit seinem Kumpel John Gilbert aka lustiger Jack (Jamie Coffa) und dem 17-jährigen John Dunn (William Lee) zusammen. Sie überfallen regelmäßig Postkutschen, Hotels und Geldtransporte. Schon bald sind sie die meistgesuchten Verbrecher des Landes.

Als die Hall-Bande bei mehreren Überfällen Polizisten erschießt, wird ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt. Von nun an können die Outlaws keinem mehr trauen – nicht mal ihren engsten Vertrauten. Und die Summe steigt von Überfall zu Überfall.

FAZIT:

Wie man hört, ist DIE LEGENDE DES BEN HALL der Anfang einer geplanten Trilogie. Man kann nur hoffen, dass die Folgeteile anders werden. Schon die erste Szene von BEN HALL sagt viel über den Film aus: Es ist eine Schießerei im Wald, die folgendermaßen inszeniert ist: ein Mann schießt – Schuss geht ins Holz – ein anderer Mann schießt – Schuss geht ins Holz – erster Mann schießt wieder – Schuss geht ins…usw. So simpel – so langweilig! Nicht nur in solchen Momenten erinnert der Film an billige B-Western wie PREY FOR DEATH (2015).

Auch im Dialog ist DIE LEGENDE DES BEN HALL oft von solcher Qualität. Fragen werden gestellt, nicht weil sie Sinn ergeben, sondern nur weil die Antwort so cool klingt („Werde ich es bereuen, wenn ich es dir sage?“ – „Du bereust es, wenn du es nicht tust“ – wer stellt denn auch so eine Frage?). Dazu kommt die schlampige deutsche Synchro, die man besser meiden sollte. Wenn man sich den Western schon ansieht, dann in der authentischeren Originalfassung.

Bei der zweiten Schießerei des Films passiert dann doch etwas Aufregendes: Nach langem Schusswechsel zwischen mehreren Polizisten und der Hall-Bande auf nur wenige Meter Entfernung (!!!) trifft der lustige Jack einen Polizisten tödlich. Er guckt schockiert. Ben Hall guckt schockiert. Der Polizist guckt schockiert – kein Wunder, denn in diesem Film trifft trotz dutzender Schüsse sonst eigentlich niemand. Dieser Moment soll der Wendepunkt des Films sein, weil die Mitglieder der Bande nun als Mörder gelten. Doch es ändert sich kaum etwas, es geht ähnlich weiter wie zuvor.

Mit dem absolut pathetischen, helden-reißerischen und gleichzeitig ziemlich unsinnig übertriebenen Ende bewegt sich BEN HALL dann noch nah an der Grenze zur Lächerlichkeit. Der Fall des Outlaws wird wie der Tod eines Märtyrers oder eines Heiligen inszeniert, als würde ein Unschuldiger hingerichtet. Dabei fragt man sich als Zuschauer, warum man vom Tod des Desperados überhaupt so ergriffen sein sollte, wie der Film es gern hätte. Schließlich läuft alles auf dieses Ende hinaus. Und auch wenn zum Schluss nochmal explizit betont wird, dass Hall während seiner 600 Verbrechen niemanden getötet haben soll, war er noch lange kein guter Mensch.

Die Texttafeln ganz am Schluss des Films gehören dann zum Spannendsten und teilweise Amüsantesten, was der Film zu bieten hat. Diese Ereignisse hätte man gern in Bildern gesehen – lieber als die endlosen Schießereien, die zu nichts führen…

Wenn man sich einen Outlaw-Western ansehen will, dann sollte man besser zum Klassiker JESSE JAMES greifen. Er enthält alles, was es bei BEN HALL gibt – nur besser.

Extras:
Die DVD bietet mit dem Trailer als einzigem Extra recht wenig. Nicht mal Untertitel sind vorhanden. Die Blu-Ray ist ähnlich aufbereitet. DIE LEGENDE DES BEN HALL ist ab dem 28.04.2017 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Benjamin Wirtz

Bewertung:

 

Quelle: Pressematerial WVG Medien GmbH 2017

© WVG Medien GmbH

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Benjamin Wirtz

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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