DER EISERNE KRAGEN (1963)

Spannender B-Western

 

Den Regisseur Robert G. Springsteen kennen nur wenige, man hört auch nur selten von ihm, dabei hat er unzählige Filme gedreht – allerdings überwiegend B-Western. Am bekanntesten dürften da noch seine Beiträge zu den Fernsehserien RAUCHENDE COLTS und BONANZA sein.

DER EISERNE KRAGEN gehört zu den späteren Werken seiner Karriere. Und er lässt erahnen, dass Robert G. Springsteen sein Handwerk beherrschte. Es ist erstaunlich, wie viel in DER EISERNE KRAGEN trotz seiner kurzen Laufzeit von knapp 76 Minuten passiert. Es ist ein typischer Westernfilm, aber mit vielen neuen Motiven und tollen Einfällen. Ein wendungsreicher Film über Freundschaft, Treue und die Macht des Geldes. Eine Freude für jeden Western-Fan.

INHALT:

Chris (Audie Murphy) und Bert (Charles Drake) haben in langer, ehrlicher Arbeit endlich etwas Geld verdient. Sie kommen in eine Stadt, wo sie ihren Scheck einlösen wollen. Schon bei ihrer Ankunft bemerken sie eine Besonderheit des Städtchens: Es gibt dort kein Gefängnis. Die Verbrecher werden in der Mitte eines Platzes an einen Pfahl gekettet, und zwar mit einer Metallschlinge um den Hals, einem eisernen Kragen also. Chris und Bert sehen mit an, wie gerade eine brutale und gefürchtete Bande unter Führung des Gangsters Lavalle (Harold J. Stone) an den Pfahl gekettet wird.

Die zwei guten Freunde holen in der Bank ihr Geld. Bert möchte einen Teil des Geldes seiner Geliebten Estelle (Kathleen Crowley) schicken. Doch weil er glaubt, nicht genug für sie zu haben, will er im Saloon erst noch mehr Geld für sie erspielen. Kurz darauf hat er sein gesamtes Gehalt beim Poker verloren. Wütend und stark betrunken beginnt Bert eine Schlägerei. Die Folge: Er und Chris kommen ebenfalls mit dem eisernen Kragen an den Pfahl zu den Gangstern.

Als die Sherriff-Wache in der Nacht einschläft, zwingt Lavalle die beiden, den Pfahl mit auszugraben. Die Gefangenen fliehen unter Schüssen aus der Stadt und können entkommen. Doch Chris und Bert sind jetzt in der Hand der Bande. Aus Angst, dass Lavalle sie erschießt, bietet Bert ihm einen Deal an: Er hat Papiere, die 12.000 Dollar einbringen, die aber nur er einlösen kann. Lavalle behält Chris als Geisel, während Bert losreitet, um das Geld zu holen. Doch ist ihm der Freund wirklich wert, mit dem Geld wiederzukommen?

Lavalle will sichergehen und schickt deshalb seine Leute hinter Bert her, die ihn mit Gewalt zurückholen. Doch der hat das Geld seiner Geliebten Estelle geschickt. Nun muss Chris losreiten, um das Geld von ihr zu besorgen. Andernfalls tötet Lavalle Bert. Doch Estelle ist gar nicht so scharf darauf, die 12.000 Dollar zurückzugeben…

FAZIT:

An der Inhaltsbeschreibung sieht man, wie handlungsdicht DER EISERNE KRAGEN ist – und das sind bei Weitem nicht alle Wendungen, die der Western bereithält. Denn ist das Geld bei Estelle gefunden, geht der Kampf erst richtig los. So viel Plot in nur 76 Minuten unterzubringen, ohne dass dabei Lücken entstehen oder der Film gehetzt oder unausgegoren wirkt, ist ein Kunststück. Ein Kunststück, das hier wunderbar gelingt. Es ist nichts überflüssig in DER EISERNE KRAGEN. Alle Szenen sind kompakt und auf den Punkt. So entsteht keine Langeweile, die Story rast so dahin und zieht den Zuschauer mit sich.

Vor allem die Idee mit den Angeketteten am Pfahl im ersten Akt des Films ist einfach grandios. Nicht nur visuell, wie die Gefangenen mit dem eisernen Kragen um den Pfahl sitzen – sondern auch plot-technisch: Hier entspinnt sich kurz eine kammerspielartige Szene, wenn Lavalle die beiden Protagonisten zur Mitarbeit zwingt. Lavalle droht ihnen mit dem Tod, sollten sie bei der Flucht nicht helfen. Und Chris und Bert haben keine Wahl. Die vielen Männer sind auf wenig Raum zusammengepfercht. Es gibt kein Entkommen. Das ist packend inszeniert. Eine tolle Idee, wie man sie so in einem Western selten gesehen hat.

Neben der starken Unterhaltung gibt DER EISERNE KRAGEN dem Zuschauer auch einiges zum Grübeln. Wollte Bert mit dem Geld abhauen und seinen Freund im Stich lassen? Hat Bert Chris über alles die Wahrheit gesagt? Was sind die Absichten von Chris? Wem kann man trauen? Und ist Estelle einfach nur eine böse Furie oder erklärt vielleicht die Vergangenheit ihre Taten?

Die Figur der Estelle ist übrigens eine besonders erfreuliche Erscheinung. Sie ist nämlich nicht das naive, zu beschützende Frauenzimmer, das man so häufig im Western sieht und das stark abhängig vom Mann und ihm unterwürfig ist. Sondern sie ist eine starke, handlungsmächtige Figur. Sie erscheint zunächst als gierig und bösartig, und voller Willen ihr Geld zu schützen. Leider ändert sich das zum Ende hin. Da macht ihr Charakter dann leider eine plötzliche Wendung und sie wird doch noch zum westerntypischen schreienden Weib, das vom Mann beschützt werden muss.

DER EISERNE KRAGEN, übrigens in stylischem schwarz-weiß gehalten, ist ein spannender, sehr unterhaltsamer B-Western, der die typischen Western-Motive bedient, aber auch erfrischend Neues dazu bringt. Er ist ab dem 27.07.2017 als DVD und Blu-Ray erhältlich. Die Extras sind dabei mit einer Bildergalerie und einem Booklet nicht ganz so üppig ausgefallen.

von Benjamin Wirtz

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Koch Media 2017

Benjamin Wirtz

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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