Das Filmjahr 2016 auf dem Filmaffen

Ein Rückblick auf ein Jahr voller Filme

Die Filmaffen haben auch in diesem Jahr eine Menge weggeschaut. Mit der Hand am Stift und dem Block auf dem Schoß schrieben wir bei dem Konsum jedes Films fleißig mit. Was dabei rauskam, nennen wir nicht etwa Gedankenfetzen oder Skribbelwirwarr. Nein, wir nennen es Filmkritik.

Und die gehörte auch im vierten Jahr des Filmblogs zum festen Bestandteil auf dem Filmblog. Mehr als 120 Kritiken haben wir dieses Jahr veröffentlicht und euch gleichzeitig das aktuelle Kinogeschehen nähergebracht, wie den einen oder anderen Filmschatz wieder aus der Versenkung geholt.

 

Superheldenkino

Die Superheldenmania war auch in diesem Jahr nicht aufzuhalten. Alles begann mit dem sensationellen Erfolg von DEADPOOL. Der Film adaptierte die Comicvorlage in all ihren Facetten. Und bot nicht nur coole Action, sondern auch eine urkomische, von Selbstironie strotzende Metaebene. Ihm gegenüber standen im DC-Universum BATMAN V SUPERMAN und SUICIDE SQUAD. Beide Filme durften sich zwar über hohe Besucherzahlen freuen, blieben jedoch hinter ihren Erwartungen und verstrickten sich einmal mehr in die konfuse Stringenz des DCU.

Auch X-MEN: APOKALYPSE verzettelte sich darin, seine eigenen Probleme wieder lösen zu wollen. Dabei hätte der Film ein absolutes Highlight der gesamten Reihe werden können. Immerhin ist Apokalypse wahrlich der mächtigste Gegner der X-Men. Tatsächlich sah alles wirklich prima aus, aber ganz logisch wurde die Handlung nicht in die anderen Filme verwoben.

Etwas leichter hatten es dagegen Mitte des Jahres Marvel’s Avengers: Ihr CIVIL WAR brachte ordentlich Schwung in das MCU und sorgte auch für ein witziges Wiedersehen mit SPIDER-MAN. Ein absoluter Überraschungserfolg ist hingegen DOCTOR STRANGE. Von der epischen Tragweite her vergleichbar mit ANT-MAN, zeigt der Film eigentlich nur einen Nebenschauplatz. Zugegeben: Die Gegner sind deutlich relevanter als beim Ameisemann und der Kampf zieht sich um die ganze Welt. Aber im Grunde haben wir hier „nur“ Benedict Cumberbatch als Zauberer. Das reicht jedoch aus, um selbst an den ersten IRON MAN heranzukommen. Derzeit gilt DOCTOR STRANGE als der erfolgreichste Film des MCU – und das natürlich nicht ganz zu Unrecht, wie ihr in unserer Filmkritik nachlesen könnt.

 

Episch, dramatisch, böse

Gleich zu Beginn des Jahres kamen Tarantinos THE HATEFUL EIGHT in die Kinos. Im guten alten Filmformat gedreht, mit einem grandiosen Soundtrack versehen und als klaustrophisches Kammerspiel angesetzt, brillierte eine ganze Schauspielerriege angeführt von Samuel L. Jackson die Leinwand. Wäre PULP FICTION und RESOVOIR DOGS nicht schon vorher gewesen, wäre dieser Film definitiv Tarantinos Opus Magnum. Aber das ist natürlich nur meine Meinung. Denn tatsächlich gab es auch viele kritische Stimmen – und dass von deren Standpunkt ausgesehen, auch nicht ganz zu unrecht.

Als ein Flop mit Ansage kam BEN HUR daher. Der Film setzte auf die neusten Tricks aus der Effektschublade. Die Story selbst wurde aber arg beschnitten. Am Ende stand ein Actiongeladener Film mit einer ordentlichen Besetzung aber viel zu wenig Zeit und falschen Schwerpunkten. So kann man doch einen Klassiker nicht neu aufsetzen.

Kritik musst auch der nächste Film ordentlich einstecken. Aber ich weiß gar nicht, warum die Kritiken so negativ ausfielen? Denn was hat man denn bitte auch von WARCRAFT: THE BEGINNING erwartet? Als eine epische Computerspielverfilmung angepriesen, hat der Film genau dieses im Rahmen seiner Möglichkeiten erfüllt. Klar, er hätte noch die eine oder andere Wendung haben können und komplett begeistert hat er mich auch nicht. Aber an und für sich ist er schon in Ordnung.

Auch das historische Biopic FREE STATE OF JONES über Newton Knight, einem Rebellen und Freiheitskämpfer, der im amerikanischen Bürgerkrieg durch seinen Widerstand im Süden bekannt wurde, hatte zwar seine Längen und oft auch wenig zeit, um die Fülle an Geschichten zu verpacken. Und doch fand das Drama zu Unrecht nicht den Weg ins Kino, sondern wurde Direct-to-DVD vermarktet. Mir gefiel der Film wirklich gut.

 

Thrill & Horror

Dem Horrorgenre fehlte dieses Jahr irgendwie der Biss. Zumindest bei den Filmen, die wir uns anschauten. Und vielleicht auch, weil nicht ein nennenswerter Vampirfilm dabei war. Aber Scherz bei Seite. Allen voran Rob Zombies 31 verlor sich in Gewalt ohne Gehalt. Auch CONJURING 2 hatte seine markanten Schwächen. Und was genau jetzt an DER NACHTMAHR so grandios sein soll, konnten wir auch nicht so recht nachvollziehen. Sehenswert war er auf seine Weise dennoch.

Besonders fies zeigte sich CLOWN, in dem ein Familienvater in ein altes Clownskostüm steigt und zu einem Monster wird. Ohne viel Splatter, dafür aber mit viel Melancholie angehaucht, ist dieser Horrorfilm ein stilles Zeugnis dafür, dass man Grusel auch auf nicht aggressive Art umsetzen kann.

In THE VISIT von M. Night Shyamalan setzte man auf eine ähnliche Atmosphäre und schuf ausgerechnet mit den verschrobenen Großeltern zwei Monster in der eigenen Familie.

Die Horrorkomödie präsentierte sich auf ihre gewohnt derbe Art: In SCOUTS VS. ZOMBIES werden die Nerds einmal mehr zu Helden. Und DEATHGASM ist eine Hommage an den Hard Rock der 80s, der mit viel Blut und sexuellen Eindeutigkeiten durchtränkt, wenn nicht gar ertränkt wurde.

Die Thriller ließen ebenfalls zu wünschen übrig. THE NEON DEMON von Nicolas Winding Refn verblaste im Neonlicht zu einem Musikvideo der Provokation, in dem sich leere Stereotypen die Hand gaben und gemeinsam in den Abgrund der Langweile stürzten. Da hätte man wirklich mehr erwartet.

Von den meisten gefeiert, wurde auch er von mir ordentlich zerpflückt: GREEN ROOM, ein Thriller in der eine Punkband unglücklich in eine Neonaziveranstaltung gerät, versprach sich selbst viel, verstrickte sich aber in Ungereimtheiten und einer selbstgefälligen Atmosphäre mit ebenfalls leeren Figuren.

Als Überraschung präsentierte sich hingegen der Thriller LA ISLA MINIMA, in dem irgendwie alles passte. Wirklich schade, dass auch dieser Film mal wieder völlig unbeachtet vom Publikum stattfand.

 

Action

Beim Actionfilm kam der Kinobesucher dieses Jahr wirklich voll aus seine Kosten. Allen voran der First-Person-Film HARDCORE. Der Film sorgte nicht nur für einen wortwörtlichen Perspektivenwechsel, sondern auch für einen Adrenalinausstoß in Spielfilmlänge. JASON BOURNE, in dem Matt Damon wieder seine Paraderolle einnahm, setzte ebenfalls auf große Effekte, wenngleich deutlich mehr Handlungstiefe.

Dialog-lastiger waren hingegen das Crime-Biopic BLACK MASS, in dem sich Johnny Depp mit Halbglatze und fiesen Blick präsentierte, und LEGEND, in dem Tom Hardy gleich in einer Doppelrolle brillierte. Ein unschlagbares Duo zeigte sich auch in der Krimi-Komödie THE NICE GUYS: Ryan Gosling und Russell Crowe werden Partner wider Willen und müssen in den 70er Jahren einen Fall lösen – ein herrlicher Schlagabtausch.

Und wo wir gerade von Schlagabtausch reden: In dem Remake DIE GLORREICHEN SIEBEN wechselten lockere Sprüche und Kugeln in Dauerschleife den Besitzer. Der Film kommt zwar an das Original nicht wirklich dran, findet aber seinen eigenen Rhythmus.

 

Romantische, komisch und jung

Wer mit Superhelden, Action und Horror nicht anfangen kann, der setzt lieber auf seichte und lustige Filmunterhaltung. Auch von der gab es in diesem Jahr wieder einiges im Angebot. DER GEILSTE TAG zum Beispiel: Florian David Fitz und Mathias Schweighöfer als Sterbenskranke, die nochmal das Meer sehen wollen. Das klingt wie eine Remake von KNOCKING ON HEAVENS DOOR, schlägt aber seine eigene Richtung ein. Für Tobias reicht das jedoch nicht aus.

Sarah verzweifelte an der Komödie IM SOMMER WOHNT ER UNTEN und sah eine leichte Überzeichnung in dem Coming of Age Drama GILLY HOPKINS. Dagegen hatte sie ihren Spaß bei Post to Post Links II error: No valid type provided – einem Film über einen Jungen, der mitten im Nirgendwo wohnt und versucht sich umzubringen, daran scheitert und durch eine junge Dame wieder ins Leben geholt wird.

Ich teilte währenddessen den einen oder anderen Schmunzeler an EDDIE THE EAGLE aus. Salih fand hingegen, dass EVERYBODY WANTS SOME!! und KILL BILLY ordentlich ablieferten. Und Franzi vergab gleich eine Menge berechtigter Bananen an die deutsche Komödie SMS FÜR DICH.

 

Drama Baby

Es war ein durchwachsendes Jahr für die Dramen. Weder der Episodenfilm WIENER DOG, noch der tragische Kampf um Gleichberechtigung in FREEHELD oder der offensive Kampf in Gleichberechtigung in SUFFRAGETTE – TATEN STATT WORTE konnten so recht punkten, waren aber insgesamt keine schlechten Filme.

Auch das soziale Experiment in DIE KOMMUNE von Thomas Vinterberg und der liebevolle Einzelgänger aus VIRGIN MOUNTAIN hatte Schwächen – der eine Filme mehr als der andere. DAS TALENT DES GENESIS POTINI fiel bei all dem etwas aus dem Rahmen und gefiel auf eine verquere Art. Und das Justizdrama A WAR und der halbdokumentarische TAXI TEHERAN waren sogar richtige kleine Perlen im tragischen Genre.

Sarah schloss außerdem ein paar Lücken und bescherte uns Kritik zu DIE ENTDECKUNG DER UNENDLICHKEITDIE ENTDECKUNG DER UNENDLICHKEIT (2014) und HER. Ich wiederum kümmerte mich um das Schaffen von Ang Lee und schaute mir die Tragikomödien DAS HOCHZEITSBANKETT und EAT DRINK MAN WOMAN an. Außerdem widmete ich mich dem Biopic STEVE JOBS.

 

Kinderecke

Für das Animationskino war 2016 geradezu ein fantastisches Kinojahr. Mit ZOOMANIA und FINDET DORIE überzeugte uns Disney mindestens zwei Mal. Während für mich der kleine Krimi in der tierischen Metropole einen mutigen Wendepunkt darstellt, kam Franzi aus dem Schwärmen über das Wiedersehen der kleinen putzigen Fische gar nicht mehr heraus und auch ihre Meinung zu ZOOMANIA fiel deutlich positiv aus. Aber auch Illumination war mit seinen PETS besser als gedacht und hatte eine Menge komischer Momente. Vor allem die Katze hat es gerade mir angetan. Tobias erfreute sich hingegen an der Martial Arts Action von KUNG FU PANDA 3.

Etwas geschwächelt hat hingegen die ICE AGE-Reihe mit ihrem fünften Teil. Ben war hingegen von der Comicverfilmung RATCHET & CLANK nicht sonderlich angetan. Immerhin war für mich aber THE JUNGLE BOOK wieder eine kleine Überraschung.

Neben Animationsfilmen besprachen wir auch Serien: Wir blicken auf die ersten Abenteuer von BIENE MAJA und freuten uns an einer schönen Sammlung von Clips und Serienfolgen aus DIE SENDUNG MIT DER MAUS. Außerdem präsentierten wir die neue Serie DIE GARDE DES LÖWEN und erzählten euch von dem Klassiker DILBERT. Ein ganz besonderes Highlight war hier die Serie DIE LANGEN GROßEN FERIEN, in der die düstere Zeit des zweiten Weltkriegs aus der Sicht von Kindern erzählt wurde. Eine wundervolle Geschichte mit pädagogischen Mehrwert und ein idealer Einstieg für jedes Kind, das sich zum ersten Mal mit dieser dunklen Epoche beschäftigt.

 

Serienalarm

Und wo wir gerade bei Serien sind: Wir haben aufgestockt! Gab es in den letzten Jahren eher sporadisch die eine oder andere besprochene Serie auf dem Filmaffen, haben wir dieses Jahr ins aktuelle Seriengeschehen eingegriffen. Vornehmlich mit dabei waren Serie von den Streamingdiensten Netflix und Amazon Video: PREACHER, THE SHANNARA CHRONICLESTHE RANCH und FULLER HOUSE. Darüber hinaus nutzen wir die Chance, die uns Amazon bot, und schauten HEROES REBORN nach.

Außerdem sprachen wir über die aktuellen Staffeln von GAME OF THRONES und THE WALKING DEAD sowie THE ROYALS. Und wir nahmen gleich beide Staffeln von STAR WARS REBELS unter die Lupe. Unsere Franzi sorgte zudem für eine angenehm-weibliche Note und besprach die aktuellen Folgen von TWO BROKE GIRLS und VORSTADTWEIBER.

Ein kleiner persönlicher Höhepunkt war für mich die Rückkehr von Kettensägenhändchen Ash Williams in der EVIL DEAD-Nachfolgeserie ASH VS. THE EVIL DEAD. Nicht zu vergessen, haben wir unsere erste auditive Filmkritik in dem Podcast zu GILMORE GIRLS – A YEAR IN LIFE verwirklicht. Hört mal rein.

 

Fantastische Science-Fiction

zu guter Letzt blicken wir noch auf die Genre Fantasy und Science-Fiction. Hier blickten wir hoffnungsvoll auf Roland Emmerichs INDEPENDENCE DAY 2: WIEDERKEHR. Leider spielte sich die Filmfortsetzung völlig ab Publikum vorbei. Dem Science-Fiction Film fehlte es irgendwie an allen Ecken und Enden. Sehr schade, denn Teil eins ist ein Meilenstein der Filmgeschichte. Nicht besser erging es leider auch ALICE IM WUNDERLAND 2. Der Film war ein Gewusel aus schöne Optik, immer gleichen Zeitreisen und einer inkonsequenten Handlung.

Wie gut, dass am Ende des Jahres immer ein STAR WARS-Film auf uns wartet: Mit ROGUE ONE – A STAR WARS STORY präsentierte sich ein erstes Prequel-Spin-Off (ja, man muss hier die Begriffe ganz neu erfinden). Und auch wenn die Kritiken weltweit eher durchwachsen ausfielen, konnten die Fanboys in uns nur sagen: „Gut gemacht, Schwein.“

 

FAZIT

Ja, es war wirklich eine Menge los und man sieht, das Jahr 2016 war alles andere als ein Jahr des Lobs. Nichtsdestotrotz war die Filmschau auf dem Filmaffen wohl noch nie so vielfältig. Und natürlich konnten wir hier nicht auf jede Kritik aus dem Filmjahr 2016 eingehen. Falls euch interessiert, welche Filme wir noch besprochen haben, dann werft doch einfach mal einen Blick in die Übersicht der Filmkritiken hinein.

Und euch fehlen Blockbuster, wie ASSASSIN’S CREED und STAR TREK BEYOND? Und ihr fragt euch, warum wir auf Disney’s VAIANA und die Casting-Tiershow SING noch nicht eingegangen sind? Euch fehlen Meinungen zum viel gefeierten deutschen Film TONI ERDMANNoder zum hochgelobten Science-Fiction Film ARRIVAL? Was soll ich sage, uns auch. Aber leider haben wir auch dieses Jahr nicht jeden Film mitnehmen können. Zum Glück ist jedoch die Filmaffenbande angewachsen. Das bedeutet also auch im Jahr 2017 noch mehr Filme und noch mehr Kritiken. Freut euch drauf.

 

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Jörg Gottschling

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
Jörg Gottschling

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