DAS DUELL (2016)

Solider Genre-Western mit Woody Harrelson

Das Westerngenre, oft totgeglaubt und dutzende Male wiederbelebt, erfährt zurzeit wieder ein kleines Hoch. Viele Western in traditioneller Manier kamen in letzter Zeit heraus – etwa JANE GOT A GUN, FORSAKEN und das Remake DIE GLORREICHEN SIEBEN, um nur drei zu nennen, die 2016 erschienen sind. Mit DAS DUELL, in dem sich Liam Hemsworth und Woody Harrelson gegenübertreten, erscheint nun ein weiterer Western in schön traditionellem Gewand:

INHALT:

Der Ranger David Kingston (Liam Hemsworth) wird vom Gouverneur persönlich beauftragt, eine Reihe von Morden aufzuklären. Er soll dafür in die abgelegene Stadt Mount Hermon fahren und dort unauffällig gegen einen bekannten Prediger namens Abraham Brant (Woody Harrelson) ermitteln, den man als Mörder verdächtigt.

Doch Brant hat nicht nur die ganze Stadt in seiner Gewalt. Es wird ihm auch die Fähigkeit nachgesagt, Wunder vollbringen zu können, weshalb die Bevölkerung hinter ihm steht. Zusätzlich ist er noch genau der Mann, der vor 22 Jahren Kingstons Vater bei einem Messerduell getötet hat. Und irgendwie scheint er Kingstons Ankunft erwartet zu haben …

FAZIT:

„Er ist nur ein Mann“, sagt Kingston über Abraham Brant zu seiner Frau, um ihr die Angst vor ihm zu nehmen. Aber ist dieser Brant „nur“ ein Mann? Wie oft im Western scheint er mehr als das zu sein: Er ist eine mythische Legende, die die Macht über eine ganze Stadt hat und auch seine Feinde durch gewandtes Reden auf seine Seite ziehen kann. Außerdem soll der Prediger auch noch ein übernatürlicher Wunderheiler sein. Scheinbar unnahbar, unantastbar, unbesiegbar.

Woody Harrelson spielt diesen Westernschurken wunderbar diabolisch. Sein Grinsen verzaubert und stammt gleichzeitig vom Teufel. Als er Kingstons Frau gegenübersteht, und man die Bedrohung spürt, die von ihm ausgeht, kann man gleichzeitig nachvollziehen, was für eine Faszination er ausstrahlt und warum er die Menschen in seiner Umgebung trotz ihrer Angst vor ihm im positiven Sinne betören kann.

Es ist ein kluger Schachzug der Filmemacher, dass sie Kingston nicht alleine auf seine Reise schicken, sondern ihm eine Frau zur Seite stellen. Die dauernd lauernden Gefahren werden so deutlicher spürbar, ebenso wie die mysteriöse Anziehungskraft von Harrelsons Schurken. Kingston muss nicht nur auf sich selbst achten, sondern auch auf seine Begleitung. Er kann nicht einfach wild drauflosziehen, sondern muss Rücksicht auf sie nehmen.

In jeder Begegnung mit anderen Menschen schwingt vor allem zu Beginn von DAS DUELL die Gefahr der sexualisierten Gewalt mit. Jeder Fremde erscheint zunächst als potentieller Vergewaltiger. Das macht die Spannung und die bedrohliche Atmosphäre um einiges stärker, als wäre Kingston alleine geritten. Auf der anderen Seite führt das allerdings dazu, dass Kingstons Frau nur ein Mittel zur Spannung ist und nicht mehr. Sie bleibt eine passive Figur ohne wirklich eigenen Charakter.

DAS DUELL bietet all die bekannten Western-Typen, die in einem Film dieses Genres vorkommen müssen: der moralisch gute Westerner, die zu beschützende Ehefrau, die edle Hure, der eine Stadt regierende Bösewicht und sein Sohn, der hier wie so oft ein gewalttätiger Kleingangster ist, der sich als erstes mit dem Westerner anlegt. Auch ansonsten bedient DAS DUELL viele Aspekte des Genres, wandelt sie aber häufig ab: Der Schurke Brant zum Beispiel trägt meistens hellweiß strahlende Kleidung, Kingston hingegen ist eher dunkel gekleidet. So werden die typischen Westernelemente (der Böse trägt schwarz, der Gute weiß) im Kleinen umgekehrt.

Allein die Auflösung des ganzen Konfliktes zum Schluss des Films – ein blutiges Finale in SAW-Style – ist etwas stark überhöht und nicht besonders einfallsreich. Ansonsten ist DAS DUELL ein guter Beitrag zum wieder wachsenden Genre des Westerns.

Die Blu-Ray hat eine gute Bildqualität und bietet als Extras mehrere Trailer. Sie ist ebenso wie die DVD ab dem 09.12.2016 im Handel erhältlich.

von Benjamin Wirtz

Bewertung:

 

Quelle: Pressematerial Universum Film 2016

 

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Benjamin Wirtz

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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