CROSSBONES – Staffel 1 (2014)

Die Republik der Piraten

INHALT:
Eine Legende von einem gefürchteten, grausamen Piraten hat sich um die ganze Welt herumgesprochen. Doch dann macht die britische Krone jagt auf ihn und nach einem harten Kampf soll er, den niemand bisher besiegen konnte, gefallen sein: Edward Teach (John Malkovich) alias Blackbeard. Doch derjenige, der heute Gouverneur von Jamaika ist und ihn einst umgebracht haben soll, weiß genau: Blackbeard lebt und seine Lüge wird bald entlarvt werden.

Tatsächlich hat Teach überlebt und auf einer Insel eine Republik nach Vorbild der griechischen Stadtstaaten errichtet, über die er den Vorsitz als Kommodore Teach hat. Es ist ein demokratisch aufgebauter Mikrokosmos eines idealen Staates ohne Sklaven oder Untergebenen – aber es ist auch eine Insel voller Verbrecher, Sünder und Geächteter.

Tom Lowe (Richard Coyle), ein Agent und gelernter Wundarzt im Dienste der britischen Krone, erhält den Auftrag Blackbeard zu finden und ihn zu töten. Doch als er tatsächlich Teach findet und als Gefangener in seine Republik der Piraten kommt, entwickelt er mit zunehmenden Tagen auf der Insel Sympathie für die große Legende und freundet sich mit den Einheimischen an. Wie kann Lowe seinen Interessenskonflikt lösen? Und welche Absicht hat Blackbeard wirklich? Und was hat eine spanische Flotte mit dem Ganzen zu tun?

FAZIT:
„Endlich eine Piraten-Serie“ mögen jetzt einige rufen, und doch scheint die Vorfreude übereilt. Denn in dieser Serie steht das Tagesgeschäft des Piraten – das Entern, Versinken, Kapern und gelegentlich auch mal Meutern – nicht im Vordergrund. Vielmehr ist die Piraterie am Ende der goldenen Ära eine politische Frage geworden. Intrigen, Abmachungen und Bündnisse sichern das abgeschiedene, fast ruhige Leben und die „Wilde Zeit“ scheint hinter den Meisten Protagonisten zu liegen – und doch haben sie hier Handwerk noch lange nicht verlernt. Im Gegenteil sogar, sind ihre Ziele größer und die Piraten selbst besser geworden.

Auch in CROSSBONES wird, typisch für das Genre des Piratenfilms, das Bild des Freibeuters romantisiert und verklärt: Er kann alles, er ist unbesiegbar und wenn er erscheint, nimmt er sich, was er möchte – und er wird in Form von Hollywoodstar John Malkovich als legendärer Piratenkapitän hervorragend dargestellt. Eine wahre Bereicherung für diese bisher sehr kleine Serie.

Doch die Serie bleibt nicht beim scheinbar schönen Piratenleben haften, sondern sie blickt etwas tiefer und verleiht den Charakteren gewissen Konturen. So werden die Hintergründe des Piratendaseins durchleuchtet. Schließlich wird kein Pirat als ein Solcher geboren, sondern durch Missstände dazu gemacht. CROSSBONES begreift diesen historischen Fakt und setzt ihn als Leitmotiv ein, indem gerade die Piraten um Blackbeard von Grunde auf keine schlechten Menschen sind und genau deswegen eine Staatsform für sich wählen, die erst Jahrzehnte später wieder von den USA und Frankreich aufgegriffen werden sollte.

Unter den Piraten sind alle gleich, nur Edward Teach ist gleicher. Und diese Ambivalenz definiert die Serie. Ihm gegenüber steht ein Agent und Wundarzt, der ebenso ambivalent zwischen dem Recht der britischen Krone und den visionären Idealen des Piratenstaates steht. Gerade diese verzwickten Doppelspielchen machen CROSSBONES zu einer unterhaltsamen und spannenden Serie.

CROSSBONES lebt vor allem von künstlich erzeugter Spannung: Ein Agent, als Wundarzt getarnt, wird von Blackbeards Schergen gefangenen genommen, entrinnt immer wieder knapp dem Tod, boykottiert die Pläne der Piratenlegende und wird bald zum engsten Vertrauen dessen. Doch es ist eine klassische Story, die sich, so komplex sie wirken mag, geradlinig an den Konventionen des Piratenfilms hält: Der Swashbuckler, ein guter Abenteurer, wird mit Piraten konfrontiert und verbündet sich in der Not mit diesen – etwas mehr Twist in der Handlung hätte man sich dann doch gewünscht.

Geradezu erfrischend wirken dann schon die Visionen, denen Blackbeard ausgesetzt ist. Sie geben der Serie eine gruselige Note, die ins Okkulte reicht. Leider zerplatzt auch dieser Handlungsstrang recht bald und wird nicht konsequent genug umgesetzt. Ebenso dringt auch der Gouverneur als (zweiter) Antagonist des Wundarztes Lowe nicht so recht zum Zuschauer durch. Sein Charakter wird von Rache getrieben, ihm fehlt jedoch eine eigene Episode, die sein Unglück in der Vergangenheit noch deutlicher gemacht hätte.

Leider scheitert auch CROSSBONES, wie so viele andere historisch angesetzte Serien (etwa: COPPER) vor ihr auch, an der Optik. So wirkt alles für die damaligen Verhältnisse viel zu sauber, zu aufgeräumt und gepflegt. Ein typisches Serien-Problem, dass nur wenige TV-Serien, wie etwa THE WALKING DEAD, gelöst bekommen haben. Das geringe Budget, in dem dieser Umstand leider ergründet liegt, hat jedoch auch einen Vorteil: das Setting und die Kulisse sind verhältnismäßig klein. Große Kämpfe, wie man sie aus FLUCH DER KARIBIK kennt, finden nicht statt. Es sind mehr kleine Scharmützel. Aber genau dies passt wiederum zu einer abgelegenen Insel und wirkt dadurch authentisch.

An der einen oder anderen Stelle wäre in der ersten Staffel von CROSSBONES mehr drin gewesen. Das macht die Serie jedoch noch lange nicht schlecht. Dadurch, dass sie sich an die Konvention des Genres hält, gelingt ihr der Umstieg vom Film in die Serienform. Leider sind es nur neun Folgen geworden, in denen viel Inhalt verpackt wurde und dadurch einige Logiklöcher entstehen, die sich jedoch nur auf dem zweiten Blick offenbaren. Hoffen wir, dass es eine zweite Staffel geben wird und diese ein paar Folgen mehr erhält, denn das Potential für tolle, spannende Piratengeschichten ist unerschöpflich.

CROSSBONES ist seit dem 15.01.2015 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich und für jeden Piratenfan zu empfehlen. Trotz einiger Kritik auf hohem Niveau wirkt die Serie wie eine willkommene Abwechslung zu den Krimi-, Märchen- und Sitcom-Massen, die das TV-Programm in ihrer langweiligen Eintönigkeit derzeit überschwemmen.

von Jörg Gottschling

Bewertung:


 

Quelle: Pressematerial Concorde Video 2015

Produkte von Amazon.de

Merken

Jörg Gottschling

Jörg Gottschling

Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
Jörg Gottschling

Letzte Artikel von Jörg Gottschling (Alle anzeigen)

Comments

comments

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: