Blogger-Special: Roadtrip mit Tieren im Film

zum Kinostart von UNTERWEGS MIT JACQUELINE

Der beste Freund des Menschen ist sein tierischer Begleiter. Für den einen ist es der Hund für den anderen ist es eine Katze und wie ein anderer bevorzugt eben eine Kuh. So ist es zu mindestens in der Culture-Clash-Komödie UNTERWEGS MIT JACQUELINE von Mohamed Hamidi. Der Roadtrip startet am 14. Juli 2016 in den deutschen Kinos.

Der Filmaffe hat anlässlich dessen mal einen Blick zurück geworfen und erzählt euch von abenteuerlichen Reisen und ungewöhnlichen Tier-Mensch-Freundschaften im Spielfilm. Darüber hinaus hat sich Tobias Wagner von Filmfrass mit dem Thema „Culture Clash im Film“ beschäftigt und Henry Kaiser von Franzoesischerfilm ging auch eine kleine „Reise quer durch Frankreich“.

CITY SLICKERS (1991)

Drei Großstadtfreunde (Billy Crystal, Daniel Stern, Bruno Kirby) wollen ein Wenig Abstand vom eintönigen Job und dem Familienstress und beschließen ihre Urlaub in einer Ranch zu verbringen. Präriesand, Cowboystiefel, Lasso werfen und abends am Lagerfeuer sitzen – das brauchen sie jetzt. Doch irgendwie fällt der Trip unentspannter als gedacht aus. Denn so ein Leben als Cowboy ist alles andere als eine Erholung. Erst recht dann, wenn sie an einen so harten Hund von einem Cowboy kommen, wie Curly Washburn (Jask Palance). Der treibt die Kumpels ordentlich an. Kaum die Cowboy-Grundausbildung bestanden, werden sie auch noch auf einen Viehtrieb mitgenommen. Doch auch dieser steht unter keinem guten Vorzeichen. Denn es sich die Kumpels versehen, stehen sie plötzlich führerlos dar und müssen die Rinder irgendwie alleine nach Hause treiben.

Im Gegensatz zu UNTERWEGS MIT JACQUELINE wird hier nicht nur eine Kuh, sondern gleich eine ganze Herde von Rindern durch die Gegend getrieben. Obercowboy-Anfänger Billy Crystal freundet sich in seiner Rolle als Mitch Robbins mit einem kleinen Kalb an, an dessen Geburt er selbst beteiligt ist. Zwischen den beiden entsteht eine wirklich innige Bindung. CITY SLICKERS ist ein Culture-Clash der anderen Art: Natur trifft Großstädter. Die Entwicklung des Freiheit-liebenden Amerikaners wird leicht ad absurdum geführt. Die Komödie erhielt 1994 eine Fortsetzung.

DIE DICKE VERA (1996)

Was ist noch schlimmer als eine Herde Rinder durch die Prärie zu treiben? Richtig: Einen Elefanten quer durch die USA zu transportieren. Jack Corcoran (Bill Murray), ein waschechter New Yorker, Self-Made-Motivationstrainer und erfolgreicher Buchautor des Werks „Get over it, erbt ein besonders dickes und sehr grauens Lebewesen. Diese „ziemlich substanzielle Erbe“ stammt von seinem kürzlich verstorbenen Vater, den er eigentlich schon für tot hielt, ja gar noch nie kennengelernt hat.

Es stellt sich heraus, dass sein Vater ein Circusclown und Besitzer von Vera war. Vera ist ein tonnenschweres Elefantenweibchen, das Jack nun abholen soll. Doch was soll er mit einem Dickhäuter? Es bietet sich ihm die Gelegenheit, Vera zu verkaufen. Doch dafür müssen beide erstmal per Zug, LKW und zu Fuß quer durch die USA. Auf der Reise lernt Jack nicht nur neue menschliche Freunde kennen, sondern sieht auch, dass hinter der dicken Speckschicht von Vera ein Wesen steckt, dass man nicht mehr in seinem Leben verlieren möchte.

Ähnlich wie in CITY SLICKERS trifft auch hier ein Großstädter auf unbeholfene Weise auf Tiere. DIE DICKE VERA von Regisseur Howard Franklin und Drehbuchautor Roy Blount Junior war an den Kinokassen nicht sonderlich erfolgreich. Eigentlich schade und wirklich sehr unverdient, denn Bill Murray ist hier in einer seiner besten Rollen zu sehen.

FREE WILLY – RUF DER FREIHEIT (1993)

Zwei kein Dickhäuter im klassischen Sinne, aber dafür auch ein sehr mächtiges Tier ist Willy, ein Orca, der einst in Freiheit gemeinsam mit seiner Familie durch die Meere schwamm, dann aber eingefangen und zur Attraktion eines Freizeitsparks umherzogen wurde. Jesse (Jason James Richter), ein verhaltensauffälliger Junge mit einer Menge Unfug im Kopf, wird, nachdem er wegen Schmierereien in eben jenem Vergnügungspark erwischt wurde, dazu verdonnert, diese wieder zu beseitigen. Dabei freundet er sich mit dem Orca an und bringt ihm Kunststücke bei. Als Jesse jedoch mitbekommt, dass der Parkbesitzer Willy töten möchte, ergreift der Junge die Initative. Zusammen mit den Tierpflegern Rae und Randolph heckt er einen Plan aus, um Willy nicht nur vor dem Tod zu retten, sondern ihm sogar seine Freiheit wiederzugeben.

FREE WILLY von Regisseuer Simon Wincer war mein erster großer Film, den ich im Kino gesehen habe. Schon deswegen hat dieser Film nicht nur eine besondere Bedeutung bei mir persönlich. Aber der Film ist noch so viel mehr: Er erzählt von einer Freundschaft zwischen zwei völlig gegensätzliche Lebenwesen, die in ganz anderen Elementen zuhause sind und machte im Nachklang ungewollt auf die Missstände der Unterbringen von Meeressäugern in Gefangenschaft aufmerksam. Keiko, wie Willy im wahren Leben heißt, wurden zum traurigen Vorzeigewal, der unter keinen gute Bedingungen gehalten wurde. Seine krumme Flosse wurde zum Symbol für eine weltweite Debatte aus der die Free Willy Keiko Foundation entstanden ist. Auf FREE WILLY folgten 1995 und 1997 noch zwei weitere Fortzsetzungen, die jedoch weit weniger erfolgreich waren.

WOLFSBLUT (1991)

Das eine Freundschaft zwischen Tier und Mensch auf ganz anders verlaufen kann, zeigt WOLFSBLUT von Randal Kleiser (GREASE; 1978): Mitten in der Zeit des großen Goldrausches begibt sich Jack Conroy (Ethan Hawke) in die Wildnis von Alaska, um den den Claim seines verstorbenen Vaters zu finden. Zeitgleich verliert ein Wolf-Hund-Mischling-Welpe seine Mutter und muss sich fortan alleine versorgen. Während seiner Reise begegnet sich beide. Bald darauf wird der Welpe, der Wolfsblut getauft wird, von Indianern aufgenommen. Auch hier treffen sich die beiden wieder, als Wolfsblut Jack vor einem Bären rettet. Durch eine Verkettung von Umständen gerät Wolfsblut an einen Mann, der ihn für Hundekämpfe missbraucht. Jack befreit ihn und nimmt Wolfsblut mit zu seinem Claim…aber das ist noch lange nicht das Ende der Geschichte.

Das Besondere an WOLFSBLUT ist, dass sich hier nicht zwei Lebewesen treffen, finden und für immer zu Begleiter des anderen werden, sondern dass sie sich immer wieder begegnen und ihre Freundschaft unvermittelt über die Jahre einfach entsteht. Es scheint, als zieht ein magischen Band, das beide verbindet, immer wieder beide zueinander. Beide haben ihre Eltern verloren, beide sind alleine auf der Welt und beide versuchen an einem harten Ort zu überleben. Strapazen und Herausforderungen formen ihren Charakter und eine Freundschaft, die selbst dann besteht, wenn tausende von Meilen zwischen ihnen liegen. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jack London.

BELLE & SEBASTIAN (2013)

BELLE & SEBASTIAN ist noch so eine Freundschaft zwischen Mensch und Hund. Auch diesmal handelt es sich bei der Hündin Belle um eigentlich um einen wilden Hund. Und genau darin liegt das Problem: Wir schreiben das Jahr 1943. Der zweite Weltkrige erschüttert ganz Europa. In einer kleinen Bergregion in den französischen Alpen sind es jedoch nicht die deutschen Besatzer, die den Bewohner das Leben schwer machen. Sondern es geht eine wilde Bestie rum, die sich an den Schafen der Bauern vergeht. Der kleine Sebastian (Félix Bossuet) trifft eines Tages auf diese angebliche Bestie und stellt fest: Belle ist zwar ein sehr großer, aber ein äußerst liebevoller und gemütlicher Hund, dem Unrecht getan wurde. Die beiden freunden sich an und spalten damit die ganze Dorfgemeinschaft.

BELLE & SEBASTIAN von Regisseur Nicolas Vanier ist ein liebevoll erzählter Jugendfilm nach der Romanvorlage von Cécile Aubrys. Neben den tierisch und menschlichen Hauptdarstellerin spielt die malerische Landschaft eine ganze besondere Rolle und prägt die Atmosphäre des Films. Bereits 1981 wurde die Geschichte zwischen Sebastian und Belle in einer japanischen Anime-Serie verarbeitet. Eine Fortsetzung von Vaniers Film ist bereits in Planung.

UNTERWEGS MIT JACQUELINE (2016)

Jacqueline ist unzweifelhaft die schönste und der ganze Stolz von Fatah. Und: Jacqueline ist eine Kuh. Der algerische Bauer träumt davon, mit seinem Prachtstück auf der Landwirtschaftsmesse in Paris einen Preis zu gewinnen. Als er tatsächlich eine offizielle Einladung aus Frankreich bekommt, gibt es für ihn kein Halten mehr. Mit der Unterstützung der gesamten Dorfgemeinschaft treten Fatah und seine Kuh eine abenteuerliche Reise an: Mit dem Boot über das Mittelmeer nach Marseille und dann quer durch Frankreich nach Paris. Ein weiter Weg, der viele Überraschungen und unerwartete Wendungen bereithält…

Die Komödie UNTERWEGS MIT JACQUELINE von Mohamed Hamidi ist ein ungewöhnlicher Culture-Clash-Roadtrip über einen einfachen Mann, der einen großen Traum verfolgt und bereit ist, dafür einen weiten Weg aufzunehmen – und dabei seine beste Kuh einfach mal mitzunehmen. Es erwartet uns ein herrlicher Feel-Good-Sommerfilm, der ins Herz geht.

Die Filme in dieser Liste erzählen uns von Reisen und Freundschaften, die außergewöhnlich, aber realistisch sind. Es sind Geschichte, die das Herz berühren und den Lachmuskel aktivieren, aber auch auf die Tränendrüsen drücken können. Sie zeigen, worauf es bei einer Freundschaft ankommt. Denn es sind nicht die großen Geschenke, sondern die kleinen Gesten. Und auf eben jenen ist jede Kommunikation zwischen Tier und Mensch aufgebaut. Und oft sind diese sprachlosen Beziehungen sogar noch enger als so manche Wortreiche zwischen Mensch und Mensch.

von Jörg Gottschling

Jörg Gottschling

Jörg Gottschling

Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
Jörg Gottschling

Letzte Artikel von Jörg Gottschling (Alle anzeigen)

Comments

comments

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: