BIG MOUTH – Staffel 1 (2017)

Pubertät ist ein Monster…

In der Netflix-Animationsserie BIG MOUTH wird die Pubertät durch ein Monster personifiziert, dem man nicht entkommen kann. Und das kommt auf sehr wilde, meist unartige Gedanken. Die Kids stehen diesem ausgesetzt, ja geradezu ausgeliefert, entgegen. Man kann der Pubertät und ihren hormongesteuerten Problemen eben nicht entkommen – seien diese noch so widerwärtig und pervers.

 

INHALT:

Da wacht man eines morgens friedlich und nichtsahnend auf und schon trifft einem die Pubertät in voller Härte: Ausgerechnet ein imaginäres Monster, das sich Maurice nennt, wird von jetzt an die Entwicklung vom Kind zum Manne begleiten. Und der hat es faustdick hinter den Ohren. Verunsichert, verängstigt und vor allem triebgesteuert müssen Nick, Andrew und Jessi wieder Herr ihres Hormonhaushaltes werden. Doch wie soll das funktionieren, wenn man plötzlich nur noch Brüste im Kopf hat?

Den Mädchen geht es nicht anders. Aber sie wissen ihre Probleme mehr zu verstecken. Als ob das Hormonchaos und ein Monster schon nicht genug wäre, habe die Eltern ihre eigenen Methoden, mit der Verwandlung ihrer Kinder umzugehen. Na, das kann eigentlich nur schief gehen und ist doch Teil des normalen Kreislauf des Lebens.

FAZIT:

BIG MOUTH nimmt den Mund wahrlich sehr voll und lässt kein Tabu aus. Im Gegenteil! Es wird ganz offen angesprochen – ohne Netz und doppelten Boden. Verbale Anspielungen und Doppeldeutigkeiten sind nicht nötig. Auch optisch nimmt diese Serie kein Blatt vor dem Mund. Zeigt Brüste, Blutflecken auf Hosen und auch mal einen Penis. Und während das Masturbieren den Jungen-Alltag bestimmt(gar in unterschiedlichen Ausprägungen zelebriert wird), kämpfen die Mädchen mit dem Ekel vor ihrem eigenen Körper und führen anregende Unterhaltungen mit ihrer Vagina.

Die Veränderung des Körpers, Sexuelle Orientierung, Homosexualität, Selbstbefriedigung, die Magie des Pornos, männliche Machtkämpfe, die weibliche Periode, erste Liebe, perverse Sexgedanken, Schamgefühl – es wird kein Thema ausgelassen und gleichermaßen gefeiert, gefrönt und bloßgestellt. Als Zuschauer der Serie braucht man ein gesundes Verhältnis zu seinem eigenen Körper, um nicht wegen Fremdscham im Boden zu versinken. Es empfielt sich auch ein sein Humorzentrum auf infantilen Pipikacka-Humor zu stellen. Denn genau dies prägt BIG MOUTH.

Wer es also lustig findet, wenn ein Junge vor der ganzen Klasse einen Ständer oder wenn ein Mädchen auf einem Klassenausflug ihre erste Periode bekommt und auch noch eine weiße Hose dabei trägt, der ist hier goldrichtig.

BIG MOUTH handelt von Kids, die gerade mal zwölf und dreizehn Jahre alt sind. Doch die Serie ist so offen, so unzensiert, dass sie ab sechzehn Jahren freigegeben ist. Stellenweise ist selbst diese Altersbeschränkung noch zu niedrig. BIG MOUTH ist pervers und verstörend. Das kann sie sein, weil sie sich hinter den kranken Gedanken von Monstern versteckt. Es ist eine riesige Metapher auf das Erwachsenwerden und doch over the top. Eine totale Überzeichnung von einem aufwühlenden, aber auch spannenden Lebensabschnitt.

Was dabei sehr deutlich wird: Mit der Pubertät beginnt ein perverses Leben erst, aber es endet nie. Denn auch die Erwachsenen leben ihre Fantasie noch immer aus, sind auf der Suche nach neuen Abenteuer, ja werden nach wie vor von ihren alternden Monstern begleitet.

BIG MOUTH liegt mit seinem Humor unter dem Äquators des gesunden Humorgeschmacks, aber die Serie überspitzt auch die Emotionen und Gedanken, mit denen sich ein heranwachsender Mensch in dieser Lebensphase konfrontiert sieht. Damit eckt sie an, hat aber leider auch einen wahren Kern. Man wird also auch als Heranwachsender überrascht sein und beschämt weggucken, weil man selbst den einen oder anderen Gedanken einst teilte.

Die erste Staffel von BIG MOUTH steht seit dem 29.09.2017 auf Netflix zum Abruf bereit und ist definitiv nichts für Kinder unter 16 Jahren.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Netflix 2017

 

Jörg Gottschling

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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