BEYOND THE BRIDGE (2015)

Wenn die Wahrheit in den Wahnsinn treibt…

Erinnerung können etwas großartiges sein. Mit der Zeit verblassen sie jedoch und scheinen so fern, dass sie nur noch wie grau-blasse Schatten aus Nebel der Vergangenheit hervortreten. In BEYOND THE BRIDGE tritt eine andere, düstere Form dieser schemenhaften Erinnerungen zu Tage: Als grausige Geister holen sie einen ein und treiben in den Wahnsinn…

INHALT:
Marla Singer (Maya Schenk) studierte bis vor kurzem noch Kunstgeschichte in Fribourg. Dafür trennte sie sich (ohne ein erklärendes Wort des Abschieds) von ihrem Freund Eric (Thomas Koch) und hat sie sich auch sonst von allem losgerissen, was ihr lieb wahr. Ihr Weggang von der Heimatstadt glich dabei einer Flucht, denn ihre Eltern verunglückten kurz vorher tödlich – nur ihre Oma Emma (Margot Gödrös) ist ihr geblieben, mit der sie im täglichen Telefonkontakt steht.

Nun ist Sie wieder zurück und gibt im großen Elternhaus eine große Party. Durch ein Drogenexperiment für diese jedoch von einem geselligen Abend zu einem wahren Horrortip. Doch es bleibt nicht die letzte Nacht, in der sie an dunklen Ort im Wald aufwacht, von grässlichen Schreien aus dem Schlaf gerissen oder von schaurigen Schatten aus der Vergangenheit heimgesucht wird.

Zunächst versucht die angehende Fotografin ihr Leben normal weiterzuführen, bändelt sogar mit ihrem Ex-Freund wieder an, doch schon bald kann sie den nächtlichen Horror nicht mehr ignorieren. Sie sucht Antworten auf ihre Halluzinationen. Dabei holt sie ihre Vergangenheit wider ein und längst verdrängte Erinnerungen kommen wieder hoch, die ihren Verstand komplett vernebeln. Was ist wahr? Was ist Einbildung? Und wie wird sie die Monster aus der Vergangenheit wieder los?

FAZIT:
Der der deutsch-schweizerische Indie-Film BEYOND THE BRIDGE von Daniel P. Schenk ist ein Horrorfilm, in dem nicht nur die Psyche des Hauptcharakters verrückt spielt, sondern auch der Zuschauer in weiten Teilen stets im Unklaren über die Wahrheit gelassen wird. Die Grenze zwischen Realität und Einbildung verwischt immer wieder und der Film führt den Zuschauer bewusst auf eine falsche Fährte, der oft nicht mehr weiß als Marla.

BEYOND THE BRIDGE handelt dabei einerseits von der Suche nach seinem Platz im Leben  – ist, wenn man so will, also auch eine „Coming of Age“-Geschichte. Aber andererseits liegt der Schwerpunkt des Films in der Macht der Verdrängung von ungeliebten Erinnerungen. Letzteres führt zu einer Reihe von traumatisierenden Nächten, in denen eben jene verdrängten Augenblicke der Vergangenheit Marla wieder heimsuchen. Diese Tour de Force durch Schatten und Schemen der Unklarheit verwirrt nicht nur den Zuschauer, sondern macht auch den Reiz von BEYOND THE BRIDGE aus.

Bei BEYOND THE BRIDGE handelt es sich um einen Low Budget Film (Budget: 10.000 Euro). Das merkt man auch. So ist die Anzahl der Drehorte begrenzt und die die Zahl der Schauspieler überschaubar. Nur am Anfang gibt es durch die Party einige Szenen mit deutlich mehr Menschen vor der Kamera. Die Darsteller wirken manchmal etwas steif. Sie legen jedoch eine solide Leistung ab. Ihre Figuren sind hingegen oft nur grob ummalt, statt in die Tiefe durchdacht. Gerne hätte man dem ein oder anderen Nebencharakter mehr Fläche zur Entwicklung gestattet. Aber dann wäre der Fokus von BEYOND THE BRIDGE wohl ein anderer gewesen – und der Film wäre ein Drama und keine Horrorfilm geworden. Das hätte allerdings auch funktioniert.

Trotz des geringen Budgets versteht es der Film eine Tugend in der Not zu finden: Gedreht wurde an echten Orten mitten im Nirgendwo. An einem Stausee, in einer Höhle und in einem Haus voller Ecken und Nischen, das für sich schon mehr erzählt als es aufwändige Kulissen jemals könnten. Unübersichtlich und nicht verortbar stehen diese Orte für den psychischen Wahn von Marla, wie sie auch eine Reise durch die verwirrenden Gänge durch die Erinnerungen auf der Suche nach Wahrheit symbolisieren. Der sich aufbauende Mikrokosmos erzeugt eine ideale Atmosphäre der Einsamkeit, des Bedrückens in den Nächten, in denen Marla, trotz der Tatsache, dass sie in einer Stadt wohnt, auf sich alleine gestellt ist.

Dies ist in sich stimmig und unterstützt wiederum die Situation, in der sich die Hauptfigur befindet: Marla fühlt sich alleingelassen und uferlos. Sie sucht nach einem Halt in ihrem Leben, ist beruflich noch nicht angekommen und hat privat alle verloren, die ihr wichtig sind. Nur ihre beste Freundin Barbara (Eleanor Buechler) ist noch da. Dies hilft jedoch nicht darüber hinweg, dass sie obendrein ihr Vertrauen verloren hat. Man merkt ihr an, dass etwas schreckliches in der längeren, aber auch kürzeren Vergangenheit passiert ist. Was es jedoch genau ist, dass schlüsselt sich erst im Verlauf der Handlung auf.

Trotz seiner geringen Mittel muss sich BEYOND THE BRIDGE nicht hinter größeren Horrorproduktionen verstecken. Dem Film gelingt es, von der ersten Minute an Interesse zu wecken und dieses auch bis zur letzten Minute zu halten. Zwar fehlt manchen Gruselmomenten der Schockeffekt – sie kommen für den heutigen Standard fast zu seicht daher -, doch auch der Horror greift und zieht den Zuschauer weiter in den Alptraum des Films weiter hinein. Am Ende steht ein solides Indie-Projekt, das ein Blick wert ist – und dass nicht nur für Genrefans.

BEYOND THE BRIDGE ist ab dem 21.04.2016 auf DVD und als Video on Demand im Handel erhältlich.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial BEYOND THE BRIDGE

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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