Hörprobe #5: Andy Weirs „Der Marsianer“

Letztes Jahr hat sich Regisseur Ridley Scott mit einem optischen Filmhighlight zurückgemeldet. Seine Filmadaption von Andy Weirs „Der Marsianer“ wurde von Filmkritiker gelobt. Zeitgleich zum Kinostart kam auch das Hörspiel in den Handel – und auch das ist durchaus unterhaltsam.

INHALT:

Mark Watney (gesprochen von Richard Barenberg) wurde zurückgelassen. Nicht mit Absicht, aber es ist passiert: Eine wissenschaftliche Expedition zum Mars verlief anders als erwartet und die Mannschaft musste vom roten Planeten fliehen. Dabei blieb Watney, der für Tod gehalten wurde, zurück. Nun steht er alleine auf einem lebensfeindlichen Planeten und muss versuchen, zu überleben.

Zum Glück ließ seine Mannschaft alles stehen und liegen und so kann er auf ein Habitus, einen Rover, jeder Menge technischen Equipment und einem Lebensmittelvorrat zurückgreifen. Was ihm jedoch fehlt, ist der Kontakt zur Erde. Nur wenn es ihm gelingt, der Erde zu sagen, dass er noch lebt, ist auf Dauer eine Rettung seines Lebens möglich. Bis dahin vergehen jedoch Wochen, ja gar Monate, in denen die Nahrung schwindet und in denen er sich eine Menge einfallen lassen muss, um nicht wahnsinnig zu werden…

FAZIT:

„Der Marsianer“ ist eine moderne, gar futuristische Version von Daniel Defoes „Robinson Cruso“. Gestrandet auf dem roten Planeten, versucht ein totgeglaubter Astronaut in einer lebensfeindlichen Umgebung zu überleben. Dabei wird er mit eine Vielzahl an Problemen und Herausforderungen konfrontiert. So besteht einer seiner ersten Hürden darin, seine Nahrungszufuhr zu sichern. Als weitaus größeres Problem stellt sich hingegen die Kontaktaufnahme mit der Erde heraus.

Das Hörbuch hält sich an den Erzählstil des Romans. In kleinen und großen Logbucheinträgen erleben wir die Episoden des schwierigen Überlebens auf dem Mars. Man erfährt viel über die technischen Probleme und Einschränkungen der Raumfahrt, aber auch die Möglichkeiten auf anderen Planeten überleben zu können. Die meiste Zeit wird aus der Sicht von Watney erzählt. Zwischendurch springt der Erzählstrang zurück auf die Erde, wo, nachdem man erfährt, dass Watney noch lebt, fieberhaft nach Lösungen gesucht und ein Rettungsplan ausgearbeitet wird.

Sehr technisch, sehr wissenschaftlich und doch spannend und unterhaltsam erzählt: „Der Marsianer“ bietet eine süffisante Mischung aus den Ausführungen eines Professors und einer Prise Galgenhumor. Nicht umsonst wurde wohl die Kinoverfilmung mit Matt Damon vor kurzem mit einem Golden Globe in der Kategorie „Comedy“ ausgezeichnet. Eine reine Komödie ist die Geschichte jedoch keineswegs. Vielmehr leistet die Hauptfigur Übermenschliches und begibt sich dabei mehr als nur einmal in Lebensgefahr. Gerade diese eigentlich ausweglosen Momente, in denen Watney immer und immer wieder dem Tod von der Schippe springt und durch seinen Intelligenz und seinen Erfindungsgeist neue Lösungen findet, machen die Spannung aus und halten den Zuhörer im Sessel fest.

Ein gewisses Faible für physikalische Gesetze, Raumfahrt und Naturwissenschaft im Allgemeinen schadet dem Zuhörer nicht, denn die Ausführungen, Überlegungen und Lösungsansätze, die Watney in seinen Tagebucheinträgen zusammenführt, sind sehr detailliert und immer wieder sehr fachbezogen. Manchmal wirkt das etwas fad und verieselt in den beiläufigen Beschäftigungen, denen man als Zuhörer noch nachgeht. Konzentration ist also dringend nötig, denn auch diese scheinbare Monotonie der Logbucheinträge birgt eine Menge spannende Informationen, die sich einigermaßen die Waage halten, sodass der Zuhörer nie ganz den Faden verliert. Man darf sich also nicht nur auf eine spannende Science Fiction Geschichte freuen, sondern man lernt auch noch einiges über die Probleme der Raumfahrt dazu.

Da die meiste Zeit nur aus der Perspektive von Watney erzählt wird, fällt es nicht auf, dass nur eine Person alles vorliest. An den entsprechenden Stellen, an denen mehr Personen auftreten, ist es dem Sprecher gelungen die Illusion zu wahren. Jeder Charakter erhielt seine eigene, charakteristische Betonung.

Die zwei Mp3-CD umfassen mehr als 10 Stunden und sind ideal geeignet, um an verregneten Nachmittagen unter einer Decke mit einer warmen Tasse Kakao zu versinken und sich darüber zu freuen, dass man mehr Platz hat als nur ein kleines Zelt mitten auf einen luftleeren, roten Planeten. Das Hörbuch „Der Marsianer“ ist seit dem 14.09.2015 im Handel erhältlich.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Random House 2015

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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