AMONG THE LIVING (2014)

Maskierter Nackedei auf Menschenjagd

 

Der französische Horrorfilm AMONG THE LIVING vom Regie-Duo Alexandre Bustillo und Julien Maury braucht keine halbnackten Studentinnen und unterbelichten männlichen Protagonisten. Vielmehr glänzt der Film durch eine interessante Handlung und glaubwürdige Figuren – wenn es so etwas in diesem Genre überhaupt geben kann…

INHALT:
Der letzte Tag vor den Sommerferien: Nachdem die drei Freude Victor (Théo Fernandez), Tom (Zacharie Chasseriaud) und Dan (Damien Ferdel) das Nachsitzen geschwänzt, heimlich geraucht und die Hütte von einem ungeliebten Bauern abgefackelt haben, nehmen sie reiß aus und besuchen die ehemaligen Blackwood Filmstudios, einem verlassen Gelände – so scheint es zu mindestens.

Denn kaum dort angekommen, finden sie eine blutverschmierte Frau im Kofferraum eines Wagens und werden von einem Maskierten (Fabien Jegoudez) verfolgt. Gerade noch können sich die drei von dem Gelände des Filmstudios retten, nur um dann prompt von Polizisten für das Abfackeln der Scheune verhaftet zu werden und in die Orbhut ihrer verärgerten Eltern abgegeben zu werden.

Denn die Polizei glaubt ihnen nicht, was sie in den Blackwood Studios erlebt haben. Der Maskierte jedoch ist den Dreien schon auf den Fersen…

FAZIT:
AMONG THE LIVING beginnt mit einem blutigen und überraschenden Prequel über eine schwangere Mutter, die ihre Familie an einem Halloween-Tag auslöschen möchte. So mysteriöse und blutig die Einführung ist, so geradezu beschaulich wird der Horrorfilm fortgeführt: Drei Jungen werden eingeführt und erleben den alltäglichen Wahnsinn des Erwachsenwerdens. Stellenweise ist AMONG THE LIVING fast auf dem Weg gewesen, ein wirklich gutes Coming-of-Age-Drama im Stil von STAND BY ME (1986) zu werden.

Brachial, brutal, gnadenlos: Der Maskierte äußert sich nicht als klassischer Schlitzer, dem es reicht, seine Opfer auf möglichst brutale Art zu schnetzeln, sondern er ist ein waschechter Sadist, der seine Opfer auf perfide Art zu töten versteht. In diesem Punkt überzeugen die Effekte. Ein Spaß ist der Film deswegen noch lange nicht. Was Gorefans freuen dürfte, erschreckt in jedem Fall die anderen Zuschauer.

Bemerkenswert ist, dass sich dieser Horrorfilm den Konventionen des Genres widersetzt: Die Story begnügt sich nicht damit, sich auf einen Ort oder eine Nacht festzulegen. Auch die potentiellen Opfer reagieren deutlich intelligenter und damit auch realistischer. Hierin merkt man diesem Film seinen Ursprung im europäischen Film deutlich an.

Zwischendurch wechselt AMONG THE LIVING zwischen Thriller und Horror hin und her, übertreibt doch ganz klar bei den Horrorelementen: Der Zuschauer trifft auf ein maskierter Killer, der nicht selten mehr als eben diese trägt und einen gehörnten Helfer – das wirkt doch recht verrückt und passt, so stellt sich heraus, nicht ganz zu den Figuren, die sich dahinter verbergen. Idee und Logik driften an diesem Punkt des Film deutlich auseinander. Ohnehin fehlt jegliche Intention für die Morde.

Gegen Ende geht dann alles auch noch viel zu schnell. Die Vermutung liegt daher nahe, dass AMONG THE LIVING, trotz der FSK von 18 Jahren, an einigen Stellen sogar noch beschnitten werden musste. Seltsam ist auch, dass sich der Film fast nur auf einen Jungen und seine Familie konzentriert, während die anderen im Eilverfahren abgehandelt werden. Diese Eile passt gar nicht diesem sich sehr viel Zeit lassenden sadistischen Killer.

Und doch erwartet den Zuschauer am Ende noch eine großer Überraschung, denn bis dahin hat der Film eine Kleinigkeit verschweigen, die nochmal ein völlig neues Licht auf die Ereignisse wirft. Wirklich nett!

AMONG THE LIVING ist ein Horrorfilm mit einigen Überraschungsmomenten und gelungenen Effekten, jedoch nur wenig Gruselfaktor und vielen Ungereimtheiten. Seine Stärke ist die Story, doch diese wird nicht klar aufgeklärt und schwächelt deswegen in seiner Umsetzung. Zudem lässt sich der Film an einigen Stellen sehr viel Zeit, um sich zu entwickeln (was gar nicht verkehrt ist) und baut interessante, glaubwürdige Figuren auf, nur um dann jedoch übereilt zum Ende zu kommen. So wirkt er im Ganzen eher zerstückelt als rund.

Genrefans dürfen zuschlagen, aber auch nicht viel erwarten. Gute Ansätze reichen leider nicht aus. So ist der Film am Ende doch nur einer von vielen geworden. Das ist wirklich schade. Denn das Potential zu etwas wirklich Gutem war vorhanden.

Der Horrorfilm AMONG THE LIVING ist seit dem 05.03.2015 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

 

Quelle: Pressematerial Tiberius Filmverleih 2015

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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