7 eher unbekannte Western, die sich zu sehen lohnen

Auch wenn das Genre heute immer wieder aus der Mode gekommen zu sein scheint: Es gibt einfach unglaublich tolle Western. Klar, Filme wie ZWÖLF UHR MITTAGS, RIO BRAVO oder SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD sind in aller Munde. Aber auch abseits dieser bekannten Klassiker gibt es viele tolle Schmuckstücke, die sich zu sehen lohnen – und zwar aus allen möglichen Jahrzehnten.

Hier findet ihr 7 Western, die recht unbekannt sind, die sich aber zu sehen lohnen. Und kleiner Tipp: Den ein oder anderen kann man mit etwas Glück auch mal ab und zu bei YouTube in ganzer Länge finden.

 

HERR DES WILDEN WESTENS – DODGE CITY (1939)

Ein typischer Western, der alles hat, was das Herz des Westernfans begehrt. Errol Flynn soll die heruntergekommene Stadt Dodge City bändigen und wieder für Ruhe und Ordnung sorgen. Das macht er auch, aber mit seinen eigenen Regeln und Methoden. HERR DES WILDEN WESTENS bietet einige spektakuläre Sehenswürdigkeiten: Verfolgungsjagden, Schießereien und eine durchgehende Rinderherde. Ganz vorne steht allerdings eine lange Massenschlägerei im Saloon, virtuos und beeindruckend inszeniert, in der alles, aber auch alles zu Bruch geht.


GEÄCHTET – THE OUTLAW (1943)

Ein wirklich guter Film ist GEÄCHTET nicht gerade, aber trotzdem in gewissem Sinne interessant: wegen seines enormen, offenen Sexismus. Filmstar Jane Russell musste sich so einiges gefallen lassen. Nicht nur, dass man sie im Film gegen ein Pferd tauschen will – der Tausch wird auch noch abgelehnt: das Pferd sei viel mehr wert. Produzent und Regisseur Howard Hughes war angeblich besessen von Jane Russells Brüsten und setzte sie deshalb immer wieder präsent in Szene – für damalige Zeiten sehr provokant. Er ließ sogar – so wird erzählt – einen speziellen BH herstellen, der ihre Brüste hervorheben sollte. Kein Wunder also, dass er sie auch für die Promotion des Films nutze. So lautete ein Werbespruch: „What are the two reasons for Jane Russells rise to stardom?” Und viel mehr ist in diesem Film dann auch nicht so wichtig.


NACKTE GEWALT – THE NAKED SPUR (1953)

Fünf Western drehte Anthony Mann mit James Stewart in den 1950er Jahren. NACKTE GEWALT ist der dritte dieser Filme und auch der Beste. Ein Kopfgeldjäger will einen Mörder für 5000 Dollar lebend in die Stadt bringen. Zwei weitere Männer helfen ihm bei der Festnahme und schließen sich ihm an. Auch die Frau des Mörders reitet in der Gruppe mit. Im Folgenden versucht der Mörder alle Tricks, um die Männer und seine Frau gegeneinander auszuspielen. Von der Kritik wurde stets die psychologische Glaubwürdigkeit der Charaktere gelobt. Besonders beeindruckend an diesem Film ist aber auch der Einsatz der Landschaft mit ihren Wäldern, Klippen und Bergen. Und das Finale am reißenden Strom ist unvergesslich.


BONE TOMAHAWK (2015)

Im Schatten von Western wie THE HATEFUL EIGHT und THE REVENANT ist er 2015 irgendwie untergegangen, dieser kleine Horrorwestern mit Kurt Russell. Dabei macht er einfach Spaß. Wilde Kannibalen, die in den Bergen hausen, entführen die hübsche Ärztin Samantha. Vier Männer, darunter Samanthas verletzter Ehemann, machen sich auf den Weg, um sie zu befreien. Der Horrorwestern weiß genau, wie er seine Atmosphäre einzusetzen hat. Selten ist die Beschwerlichkeit eines Weges so deutlich inszeniert worden wie am verletzten Bein von Samanthas Mann. Im extrem blutigen Finale driftet BONE TOMAHAWK dann ganz unvermittelt in Splatter ab. Doch dass die Gewalt so plötzlich und überraschend kommt, hat was.


TAG DER GESETZLOSEN – DAY OF THE OUTLAW (1959)

Bei Schneewestern denkt man heute wahrscheinlich zuerst an Tarantinos THE HATEFUL EIGHT, Freunde von Westernklassikern noch an LEICHEN PLASTERN SEINEN WEG. Viel früher entstand jedoch der Schneewestern TAG DER GESETZLOSEN, der all die anderen Filme beeinflusst haben wird. Bei uns ist er allerdings so unbekannt, dass er nicht mal einen deutschen Wikipedia-Eintrag hat. Dabei lohnt sich der spannende Film unbedingt: In ein verschneites Nest kommt eine Bande Outlaws und nimmt die wenigen Einwohner als Geiseln. Die Banditen wollen sich an den Frauen vergnügen, der Boss hält sie aber vorerst zurück. Niemand weiß, wann er seine Meinung ändern wird. Also macht ein Bewohner den Vorschlag, die Banditen weiterzuführen und lotst sie in die tiefe verschneite Wildnis. Eine ungemeine Spannung entwickelt sich, als die Banditen das Dorf gefangennehmen. Die Gefahr, die von den lüsternen Männern ausgeht, ist geradezu physisch spürbar. Absolut grandios ist das letzte Drittel des Films, das Finale, in dem sich die Männer durch den Schnee kämpfen.


RITT ZUM OX BOW – THE OXBOW INCIDENT (1943)

Ein Film, der seiner Zeit vielleicht voraus war: Über Faschismus, Lynchjustiz, die Schwächen der Menschen und die Macht eines Mobs. Nach dem Mord an einem Rancher macht sich die Stadt auf, um den Mörder zu finden. Sie finden in der Nähe drei Männer, die der Menge verdächtig erscheinen. Sie halten sie fest und überlegen die Nacht durch, ob sie sie hängen oder nicht. Der Western dauert nur knapp über eine Stunde, entwickelt dabei aber eine enorme Wucht. Sein Ende wirkt auch heute noch schockierend. Helden gibt es hier nicht.


DAS SCHIESSEN – THE SHOOTING (1966)

Der von Jack Nicholson mitproduzierte kleine Western des eher unbekannten Monte Hellman lief nie im Kino und auch nur selten im Fernsehen. Daher ist er nicht gerade weitläufig bekannt. Leider. Eine Frau beauftragt zwei Männer, sie durch die Wüste zu führen. Bald stellen sie fest, dass jemand ihnen folgt. Anscheinend jemand, den die Frau auf ihre Spur lockt. DAS SCHIESSEN ist in seiner Art durchaus radikal. Wer nach Helden sucht in diesem Western, nach Sinn oder Aufklärung der Geheimnisse und Figurenmotivationen, ist hier falsch. Auch wer ein Happy End verlangt, wird bei DAS SCHIESSEN enttäuscht. In seiner radikalen Verweigerung jeder Erklärung ist er ein eigenwilliges Filmvergnügen. Die allgegenwärtige Sinnlosigkeit wird einem noch lange im Gedächtnis bleiben. Auch wenn der Western nicht gerade optimistisch klingt – die, die ihn kennen, sind begeistert: Bei Rotton Tomatoes hat er eine Kritikerbewertung von 100%.

Habt ihr noch andere Filmtipps aus dem Westerngenre, die man sich unbedingt mal anschauen sollte, aber leider eher unbekannt sind? Dann schreibt uns eure Tipps in die Kommentare.

Titelbild: BONE TOMAHAWK | Pressematerial Constantin Film Home Entertainment

Benjamin Wirtz

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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