24 STUNDEN IN SEINER GEWALT (1990)

90er Jahre Home Invasion Thriller

Michael Cimino hat filmgeschichtsträchtige Werke geschaffen: den Oscar-prämierten DIE DURCHDIE HÖLLE GEHEN (1978) etwa oder das riesige Western-Epos HEAVEN‘S GATE (1980), das angeblich das Filmstudio United Artists in den Ruin trieb. 24 STUNDEN IN SEINER GEWALT, einer der letzten Filme in Ciminos Karriere, hat keine solch filmgeschichtliche Relevanz, außer dass es ein Remake von William Wylers AN EINEM TAG WIE JEDER ANDERE (1955) darstellt. Doch gelang dem Regisseur hiermit ein netter kleiner Home Invasion Thriller, der zwar nicht frei von Schwächen ist, aber dennoch ganz gut unterhält.

 

INHALT:

Mithilfe seiner Anwältin kann der gewalttätige Gangster Michael Bosworth (Mickey Rourke) während seiner Anhörung aus dem Gericht fliehen. Mit zwei Komplizen dringt er auf seiner Flucht in einem Villenviertel in das Haus von Nora Cornell (Mimi Rogers) ein und nimmt sie als Geisel. In ihrem Haus will er auf weitere Instruktionen seiner Anwältin warten.

Doch schon bald gibt es Komplikationen. Erst taucht Noras Ex-Mann Tim (Anthony Hopkins) auf. Dann kommen ihre beiden Kinder nach Hause: die 15-jährige, hübsche May und der kleine Zack. Und sie werden nicht die einzigen bleiben, die sich als Geiseln dazugesellen müssen. Gleichzeitig beginnen Bosworths Komplizen, psychopathische Züge aufzuweisen…

FAZIT:

24 STUNDEN IN SEINER GEWALT (genau genommen ist der deutsche Titel falsch, denn die Geiseln sind weit mehr als 24 Stunden in seiner Gewalt…) ist kein vollkommenes Werk. Vieles ist unausgegoren und unverständlich, sowohl auf inhaltlicher als auch auf stilistischer Ebene. So ist es aus der Story heraus nicht ersichtlich, warum Bosworth manche seiner Geiseln erschießt und manche nicht. So was soll wohl dem Schock des plötzlichen Ereignisses dienen, ist plot-technisch aber leider nicht logisch.

Ebenso die Absichten der Anwältin, die zwischen Angst vor und Liebe zu Bosworth hin und her pendeln. Wenn diese Unklarheiten beabsichtigt und Teil der Story wären, so könnte man sie rechtfertigen. Doch sie entstehen eher unfreiwillig durch misslungene Schnitte. Und damit wären wir beim stilistischen Problem des Films: dem Schnitt. Nicht nur, dass der Erzählfluss oft abrupt durch unnötige Szenenwechsel unterbrochen wird. Oft wird durch ungeschickten Schnitt die Handlung nicht deutlich: Dann wird z. B. nicht offensichtlich, welche Person jetzt die Waffe gezogen hat oder wer von der Kugel getroffen wurde. Oder es entstehen merkwürdige Ellipsen, durch die z.B. nicht klar wird, wieso die Anwältin, die gerade noch vor der Polizei geflohen ist, jetzt mit ihr zusammenarbeitet und verkabelt wird.

Das klingt zunächst nach viel Kritik, doch 24 STUNDEN IN SEINER GEWALT ist bei weitem kein schlechter Film. Insgesamt ist er spannend und unterhaltsam. Doch es sind immer wieder solche vereinzelten Feinheiten, die den Sehgenuss stören und den Zuschauer immer wieder aus der Story herausreißen.

Die Besetzung ist das große Plus von 24 STUNDEN IN SEINER GEWALT. Mickey Rourke (zu Zeiten als er noch gut aussah) spielt den ruhigen, höflichen Gangster, der jederzeit zu einer gewalttätigen Bestie werden kann, hervorragend beängstigend. Anthony Hopkins hat die Schwierigkeit, den Gegenpart darzustellen. Und überraschenderweise macht er dies nicht, indem er den braven, netten Familienvater mimt, wie man es etwa von Harrison Ford kennt. Hopkins spielt seine Figur sehr unsympathisch. Zwar ist der Schutz der Familie für ihn das wichtigste, doch er ist auch ein schwer erträglicher, selbstsüchtiger und herrschsüchtiger Mensch. Die Charakterisierung dieser Figur so anzugehen ist mutig, da die Sympathien der Zuschauer ja eigentlich auf ihm als Opfer liegen sollen. Doch Hopkins meistert die Herausforderung hervorragend.

Auch in den Nebenrollen gibt es einiges zu entdecken. Neben Dean Norris (BREAKING BAD) als fest entschlossenem Polizisten ist es vor allem das Spiel von David Morse (12 MONKEYS, THE GREEN MILE) als psychopathischer, leicht dümmlicher Komplize, das begeistert. Er verleiht seiner Figur nicht nur eine Bedrohlichkeit, sondern immer auch eine kindliche Unschuld. Man empfindet Mitleid für ihn. Sein epischer Abgang inmitten der herrlichen Landschaft sorgt für einen seltsamen Gefühlsmix aus Rührseligkeit und Gerechtigkeit.

24 STUNDEN IN SEINER GEWALT ist insgesamt ein netter kleiner 90er Jahre Home Invasion Thriller. Er erscheint am 9. August 2018 bei Koch Media auf DVD und Blu-ray. Die Extras sind mit Originaltrailer und Bildergalerie recht knapp gehalten.

von Benjamin Wirtz

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Koch Media

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Benjamin Wirtz

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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