Review: 13 REASON WHY (2018) - Season 2

13 REASON WHY (2018) – Season 2

Vielleicht lügen tote Mädchen doch.

In der zweiten Staffel von TOTE MÄDCHEN LÜGEN NICHT aka 13 REASON WHY wird viel, was an der Serie vorher noch gut wahr, ausgehebelt. Figuren sind überzeichnet, unlogische und die Story ist zu voll gepackt. Und über allem schwingt dank aufkeimender Kritik an der Darstellung von Selbstmorden mehr den je ein Damoklesschwert. Keine guten Voraussetzungen für die Serie. Aber dingen wir mal tiefer ein…

 

INHALT:

Obwohl ihr Selbstmord schon ein paar Monate zurück liegt, ist Hannah Baker immer noch sehr präsent – sichtbar in der Fantasievorstellung von Clay. Obwohl er sich so angestrengt hat, Hannah zu vergessen und ein normales Leben mit einer neuen Freundin zu beginnen, bekommt er es einfach nicht hin – und den anderen Hinterbliebenen geht es genauso.

Zum einen, weil niemand wirklich die Chance hatte, zu heilen und weil Hannahs Eltern Klage gegen die Schule eingereicht haben und zahlreiche Schüler nun in den Zeugenstand müssen. Dabei kommen neue Erkentnisse über Hannah ans Licht, die an Clays Bild von ihr zerren. Und dann tauchen auch noch Polaroids auf, die zeigen, dass Hannah und Jessica nicht die einzigen Opfer von Bryce sind.

 

FAZIT:

Ich habe mit Absicht die zweite Staffel 13 REASONS WHY ein paar Tage ruhen lassen, bevor ich diese Kritik angefangen habe, aber wirklich schlauer bin ich immer noch nicht. Von der ersten Staffel war ich ziemlich begeistert. Die zweite Staffel kann sich aber irgendwie nicht entscheiden, ob sie sich ernsthaft mit Problemen auseinander setzen möchte, oder einfach alles in eine Serie packen möchte, was im Entferntesten in der Jugendkultur falsch läuft.

Mein größtes Problem liegt bei Hannah selbst. Die zweite Staffel porträtiert sie als eine Art Helfer aus dem Jenseits, der Clay zur „Lösung“ führt. Sie ist aber tot und sollte daher auch nicht in solch einer Form auftreten. Durch diesen Schachzug der Autoren, wird Selbstmord oder der Tod selbst nicht als etwas Endgültiges dargestellt. Die Kritik, dass die Serie Selbstmord verharmlost oder sogar zur Nachahmung anstiftet, habe ich in der ersten Staffel noch vehement verteidigt – das fällt mir nun sehr schwer, denn ich bin der Ansicht, dass die zweite Staffel gerade dazu neigt. Da hilft es auch nicht, dass der Cast zu Beginn die Zuschauer direkt bittet, vorsichtig zu sein und jede Episode mit Informationen endet, wo man Hilfe bekommen könnte. Das ist irgendwie wie ein Pflaster auf einer Schusswunde.

Die Autoren wollten einfach zu viel in diese Staffel packen. An dieser Schule passieren so viele unvorstellbar schreckliche Dinge, dass man sich fragen muss, warum zum Teufel die Eltern ihre Kinder da nicht rausholen – vor allem diejenigen, von denen die Eltern wissen, dass sie Probleme haben.

Mir war schon klar, dass auch die zweite Staffel kein Happy End bereit hält, denn das wahre Leben liefert in der Regel auch keins. Dass die Gerichtsverhandlungen so enden, war mir klar, aber unabhängig von Bryce gibt es mir ein paar zu viele Bösewichte. Der Sport-Trainer geht durchs Leben, als ob ihm vollkommen egal wäre, was in seinem Team passiert und auch der Schuldirektor schützt direkt einen Vergewaltiger. Ich kann natürlich nicht sagen, wie es an amerikanischen Schulen abläuft, aber dass direkte Warnungen vom Beratungslehrer einfach ignoriert werden, finde ich gerade in der Szene überspitzt, in der der Direktor Akten einfach achtlos zu Seite legt, auf die er vor ein paar Sekunden noch ausdrücklich hingewiesen wurde.

 

Einzig ein durchweg guter Cast, hat das überspitzte Drehbuch noch gerettet. Aber alles in allem fand ich die zweite Staffel 13 REASONS WHY wollte zu viele „Hot Topics“ thematisieren und ist am Ziel vorbei geschossen.

13 REASONS WHY steht seit dem 18.05.2018 auf Netflix zum Abruf bereit.

 

von Sarah Binder

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Netflix

Sarah Binder

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Ich hab was mit Medien studiert und liebe Bananen. Keine Frage also, dass ich für den Filmaffen über die Welt der Filme und Serien berichte.
Sarah Binder

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